Von Theo Löbsack

Radiosignale von intelligenten Bewohnen anderer Planeten einzufangen – das ist es, was sich amerikanische Wissenschaftler vorgenommen haben. Seit Anfang April lauschen sie mit Hilfe einer radioastronomischen Riesenantenne ins All; jeden Tag sitzen sie sechs Stunden lang an dem schüsselförmigen "Ohr" im Observatorium für Radioastronomie in Green Bank (West Virginia). Es ist auf die Umgebung zweier Sonnen des Milchstraßen-Systems gerichtet, vor. denen man annimmt, daß sie bewohnte Planeten wie die Erde besitzen könnten. (ZEIT Nr. 48/59 "Denker von der Milchstraße sollen antworten".) Bisher aber hörten sie kein Zeichen.

Das Projekt, Ozma genannt – nach dem Namen der Königin eines fernen, von fremdartigen Wesen bevölkerten Landes aus einer amerikanischen Erzählung –, steht unter Leitung des angesehenen Astronomen Dr. Otto Struve.

Die beiden "Zielsterne", Epsilon im Sternbild Eridanus und Tau im Sternbild Walfisch, ähneln ihrem Wesen nach unserer Sonne. Es sind Sterne, die wie unsere Sonne wahrscheinlich durch Verdichtung kosmischer Gase und kosmischen Staubes entstanden sind.

Wenn man voraussetzt, daß einer oder mehrere solcher Planeten erdähnlich sind, so ist es denkbar, daß sich auf ihnen nach genügend langer Zeit Leben und schließlich – im Lauf der stammesgeschichtlichen Entwicklung – auch intelligente Wesen mit Geist und Seele gebildet hätten.

Nehmen wir an, solche Wesen existierten wirklich – Struve schätzt die Zahl der belebten Planeten im Milchstraßen-System auf eine Milliarde –, und nehmen wir weiter an, sie hätten mindestens das gleiche Wissen und die technische Ausrüstung wie wir – würden sie dann darauf verfallen, als Verständigungsmittel von Planet zu Planet Funkbotschaften zu benutzen? Ein bekannter Astronom, R. N. Bracewell von der Stanford-Universität, glaubt nicht daran. Er bezweifelt damit zugleich, daß die Experimente von Green Bank überhaupt sinnvoll seien. Seine Argumente sind:

Epsilon Eridani und Tau Ceti liegen 10,8 bis 11,8 Lichtjahre von der Erde entfernt (ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht im Laufe eines Jahres durchmißt: 9,46 Billionen Kilometer). Eine dritte Sonne, die für die Untersuchungen in Frage käme, ist Epsilon Indi, sie liegt für Green Bank aber zu ungünstig. Die Wahrscheinlichkeit, schon in einem Radius von zehn oder zwanzig Lichtjahren Sonnensysteme mit erdähnlichen Planeten zu finden, auf denen vernunftbegabte, technisch hochentwickelte Wesen wohnen, ist äußerst gering. Um auch nur einigermaßen aussichtsreich zu arbeiten, müßte man mindestens tausend Sonnen von der Art unserer eigenen anpeilen. Um auf diese Zahl zu kommen, müßte aber die Entfernung, in der jetzt Versuche möglich sind, um das Zehnfache, nämlich auf 100 Lichtjahre erweitert werden. Schon dies macht erhebliche Schwierigkeiten. Die Empfangstechnik ist heute noch nicht so verfeinert, um auf eine solche Distanz alle Nebengeräusche auszuschalten, und die Antwort auf eine "irdische Frage" würde im extremsten Fall erst nach einer Wartezeit von zweihundert Jahren eintreffen.