Wie ein sterbender Riese weigert sich der Begriff "Ferner Osten", in die Fabelwelt hinabzutauchen. Wie viele andere historische Begriffe hält ihn sein einstiger Glanz, seine selten verstandene, aber vielbewunderte Schönheit von gestern am Leben. Die Romane, die seiner Glorie am besten gerecht werden, sind begreiflicherweise Familienromane, in denen mit den alten, Generationen abermals das Bild längst vergangener Herrlichkeit aufgehen und die Nachkommen, mit seinem mächtigen, patriarchalischen Glanz überstrahlen kann. Das geschieht auch im dritten Asienroman von Alice Ekert Rotholz: "Strafende Sonne — lokkender Mond"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 512 S, 15 80 DM.

Diesmal ist das heutige Indonesien der Schauplatz, die alten holländischen Kolonialfamilien stellen, die Helden. Es gibt die klassische Mischung von gescheiten und gerissenen alten Tyrannen, berückenden unschuldigen jungen Mädchen, hennenpludrigen Hausmüttern, leichtlebigen jungen Männern, die den Untergang prophezeien, klugen, vornehmen jungen Erben, herzhaften alten Matronen und schwatzhaften Tanten. Es gibt Bälle und dunkle Tropennächte, Verzweiflung und Internierungscamps, Reue und Armut, doch für die Helden ein abendlich gemäßigtes Glück mit politisch versöhnlichen Ausblicken. Jede Figur dieses Romans erläutert, daß auch die Herren auf den Kolonialthronen nur Menschen waren, weckt deshalb Sympathie und stärkt die Selbstgerechtigkeit, sy