Die Deutsche Genossenschaftskasse ist das Spitzeninstitut des genossenschaftlichen Kreditwesens. Seine Aufgabe ist es, die Liquidität bei den Genossenschaftsbanken und bei deren regionalen Spitzeninstituten; das sind die Zentralkassen, in Ordnung zu halten. In Zeiten der Liquiditätsanspannung muß sich die Genossenschaftskasse bemühen, das erforderliche Geld zu beschaffen. Heute ist das Gegenteil der Fall; von der untersten Stufe herauf steigen die Einlagen über die Zentralkassen hinweg bis zum Spitzeninstitut. Dabei nehmen die täglich fälligen Gelder ab und die befristeten Einlagen zu. Die Kreditgenossenschaften und Zentralkassen suchen vor allem eine Anlage in höher verzinslichen Terminanlagen.

Bei dieser Aufgabenzuweisung muß die Genossenschaftskasse vornehmlich ihre eigene Liquidität sorgsam pflegen. Bei einem Konjunkturumschwung werden die Einlagen von ihr zurückgefordert. Wie empfindlich der Einlagenbestand ist, hat sich im vergangenen Herbst gezeigt. Die im September einsetzenden Restriktionen der Bundesbank ließen den Einlagenbestand bei der Deutschen Genossenschaftskasse, der damals nahezu 1,5 Mrd. DM betrug, auf 1,1 Mrd. zurückgehen. Solche Vorgänge mahnen die Bank immer wieder aufs neue, ihre Liquidität auf einem sehr hohen Stand zu halten. So war Ende 1959 ein Betrag von 816 Mill. DM in liquiden Mitteln angelegt, dem innerhalb sieben Tagen fällige Verbindlichkeiten in Höhe von 268 Mill. DM gegenüberstanden. Gute Liquidität aber ist teuer; sie mindert die Zinserträge. Die Kunst eines Spitzeninstitutes ist es deshalb, Flüssigkeit und ausreichende Verzinsung in gleicher Weise anzustreben. Das geschieht durch eine weitgehende Streuung und sorgfältige Auswahl der Anlagen. Schaut man daraufhin die Bilanz an, dann zeigt sich, daß fast eine Viertelmilliarde in baren Mitteln und Guthaben angelegt sind. Der Wechselbestand beträgt rd. 400 Mill. DM; wie hoch seine Liquidität im Hinblick darauf, daß die Rediskontkontingente stark eingeschränkt wurden, zu bewerten ist, läßt sich schwer sagen. Weitere knapp 275 Mill. DM sind in Geldmarktpapieren, Kassenobligationen und Wertpapieren, die fast durchweg bei der Bundesbank beleihbar sind, festgelegt. Schließlich hat die Genossenschaftskasse aber 150 Mill. DM an Ausgleichsforderungen von Versicherungen gekauft; auch dieser Posten ist im Hinblick auf die Lombardfähigkeit dieser Titel als recht liquide zu werten.

Mit Geldanlagen allein kann sich kein Institut, auch die Deutsche Genossenschaftskasse nicht, zufrieden geben. Jede Bank sucht gute Debitoren. Da zur Zeit die genossenschaftlichen Kreditinstitute nur noch in einem verhältnismäßig geringen Umfange das Spitzeninstitut mit kurzfristig fälligen Krediten beanspruchen, hat die Deutsche Genossenschaftskasse in einem verstärkten Maße die direkte Finanzierung genossenschaftlicher Einrichtungen gepflegt. Sie ging Engagements mit Einkaufsgenossenschaften ein, finanzierte die Umsätze der Ernährungswirtschaft und widmete sich in verstärktem Maße der Zwischenfinanzierung des genossenschaftlichen Wohnungsbaues.

Von einer unzureichenden Liquidität kann man heute in der genossenschaftlichen Wirtschaft, nicht gut sprechen. Was fehlt, ist Kapital, d.h. langfristige Kredite von 8 bis 10 Jahren. Die Deutsche Genossenschaftskasse sieht für sich eine wichtige Aufgabe darin, sie zu beschaffen, sie nahm entsprechende Darlehen bei anderen Spitzeninstituten, auf. Insgesamt handelt es sich dabei um nahezu eine halbe Mrd. DM. Weiterhin hat die Genossenschaftskasse von ihrem Emissionsrecht Gebrauch gemacht. An Schuldverschreibungen und Kassenobligationen wurden 94 Mill. DM ausgegeben. Stolz ist man im Hause der Deutschen Genossenschaftskasse darauf, eine neue Quelle des langfristigen Kredites erschlossen zu haben. Sie übernahm von Versicherungsgesellschaften Ausgleichsforderungen gegen Hergabe von zehnjährigen Darlehen. Darauf ist es zurückzuführen, daß das Institut, das noch vor wenigen Jahren nicht eine Mark an Ausgleichsforderungen besaß, in seiner Bilanz jetzt hiervon 158 Mill. DM ausweist. Dabei haben alle gut abgeschnitten. Den Versicherungsgesellschaften wurden Ausgleichsforderungen abgekauft, als Gegenleistung gaben sie Kredite von zehn Jahren. Die Genossenschaftskasse kommt darüber nicht in eine Liquiditätsbeengung, die Ausgleichsforderungen sind, wie gesagt, lombardfähig. Man sieht, mit Hilfe der bankmäßigen Routine und etwas Phantasie läßt sich in einwandfreier Weise aus kurzfristigem Geld langfristiges Kapital machen.

Es ist klar, daß die Bank bei den ihr zugewiesenen Funktionen, aber auch bei ihrer Stellung als öffentlich-rechtliches Institut, weder große Zinsgewinne erzielen kann noch erzielen will. Mit großen Zinsspannen an der Spitze wäre der genossenschaftlichen Wirtschaft nicht gedient. Was angestrebt wurde, ist eine angemessene Dividende auf das eingezahlte Grundkapital von 16,5 Mill. DM. Sie betrug 1959 – genau wie 1958 – 8 vH. Darüber hinaus konnten die stillen Reserven gestärkt und den offenen Rücklagen ein Betrag von 5 Mill. DM zugewiesen werden. W. R.