Die Verhandlungen der vorigen Woche zwischen Bundeskanzler Adenauer und Ministerpräsident Macmillan liefen auf zwei Gleisen: dem politischen, das die Ost-West-Beziehungen zum Gegenstand hatte, und dem ökonomischen, das sich mit den beiden wirtschaftlichen Blöcken EWG und EFTA beschäftigte. Diese Zweiteilung, die jeder Seite ein Entgegenkommen abnötigte und mithin auch jeder Seite etwas einbrachte, erwies sich als sehr glücklich.

In Deutschland heißt es: Endlich hat Macmillan eingesehen, daß die jahrelangen englischen Bemühungen um einen Ausgleich mit den Sowjets (zur Befriedigung ihres legitimen Sicherheitsbedürfnisses") vollkommen vergebliche Liebesmüh waren. Seit Chruschtschows Auftreten in Paris und den sowjetischen Brandreden zu den Ereignissen in Japan, im Kongo und auf Kuba wüßten nun auch die Engländer, daß man bei solchen Bemühungen sehr leicht und ganz plötzlich von hinten über den Kopf geschlagen werden kann, und daß man darum wachsam, einig und stark sein müsse. Macmillan habe also seine "Extratouren" aufgegeben und sei nun endlich bereit, sich vorbehaltlos in das politische Konzept des Westens einzufügen.

"Die Einheit Europas ist das Wichtigste", sagte Macmillan. Der Observer schrieb hierzu: "Bei diesen Worten muß Dr. Adenauer zumute gewesen sein wie dem Vater des verlorenen Sohnes", und das Blatt fügte hinzu: "Zwar ist das gemästete Kalb noch nicht geschlachtet, aber die Anweisungen, die den Köchen erteilt wurden, berechtigen zu den schönsten Hoffnungen."

Freuen sich die Deutschen über die politische "Bekehrung" Macmillans, so jubilieren die Engländer ihrerseits darüber, daß der Bundeskanzler das Steuer herumgeworfen und seine Zustimmung zur Prüfung wirtschaftlicher Tatsachen gegeben habe, die er noch vor Jahresfrist durch niemand. den und nichts hätte in Frage stellen lassen. Dabei führt die englische Presse drei Punkte auf:

1. Adenauer habe zugestimmt, daß die Fragen eines wirtschaftlichen Brückenschlages zwischen EWG und EFTA der Brüsseler Bürokratie entzogen und in Zukunft von den Regierungen direkt verhandelt werden sollen.

2. Adenauer habe eingesehen, daß Großbritannien durch spezielle ökonomische Bande mit dem Commonwealth verbunden ist und daher dessen Markt mit dem Gemeinsamen Markt irgendwie in Einklang gebracht werden müsse.

3. Auch Adenauer teile jetzt die Ansicht, es sei besser, keine supranationale Behörde zu schaffen. Deutsche wie Engländer sind also hinsichtlich ihrer Hauptsorgen beruhigt worden. Beide schauen hoffnungsvoll in die Zukunft. Welch ein Erfolg! Freilich begegnet man fast in jedem englischen Kommentar der bangen Frage: "Weiß de Gaulle das auch?" und: "Wird der General dies billigen