Zu den schlimmen Erscheinungen unserer Zeit gehört die zunehmende Straffälligkeit von Kindern und Jugendlichen. Jetzt erschrecken wir noch über unerhörte Gewalttätigkeiten, die sie begangen haben, aber deutet nicht schon vieles darauf hin, daß wir vielleicht eines Tages den starken Widerspruch zartes Alter – monströse Verbrechen gar nicht mehr empfinden werden, weil er nach unserer Erfahrung einfach nicht mehr erkennbar sein wird? Schon lange sind die Diskussionen im Gang und dennoch erst am Anfang. "Warum werden unsere Jugendlichen straffällig?" lautete der vielversprechende Titel eines Berichts von Hendrik van Bergk, den der Süddeutsche Rundfunk als Produktion des Hessischen Rundfunks sendete.

Van Bergk gab mit Tonbandaufnahmen Gespräche mit jungen Burschen im Gefängnis wieder. "Ich wollte ’mal sehen, wie einer stirbt" – "Ich hab’ mir nichts dabei gedacht, als ich die Autos stahl" – und dazu die erschütternden Zahlen der Statistik. Das räumt mit Klischees auf. Es überläuft einen kalt, wird man mit dieser Wirklichkeit konfrontiert, die uns in unserem abgeschirmten Alltag nicht begegnet. Aber erst am Ende der Sendung, man hätte es fast überhören können, fällt das Wort von der Unverbindlichkeit sittlicher Maßstäbe für die Erwachsenen. Diese kurze Bemerkung umschloß den ganzen katastrophalen Komplex von der Säkularisierung unseres Jahrhunderts bis hin zur nahezu als selbstverständlich empfundenen Kommerzialisierung des Lasters. Doch dies wurde nicht weiter ausgeführt; der Verfasser wies lediglich auf zerrüttete Ehen hin. Wenn es der Sendung auch an letzter Konsequenz ein wenig mangelte – es war ein Anfang, deutlich zu sprechen.

Helmut Kauer

Münchener Genüsse

Eine Hauptsendung hat es gar nicht nötig, ein oder gar zwei volle Stunden zu dauern, um Beachtung zu verdienen. Vom Kino gewöhnt, warten allerdings viele Fernseher auf den "Hauptfilm", der seine vorgeschriebene Mindestzeit zu währen hat, und ihnen entfährt gelegentlich enttäuscht die Bemerkung, das Fernsehen brächte am Abend nichts Rechtes – weil zwei, drei Sendungen angekündigt sind. Just so war es kürzlich, doch es lohnt sich, und wir hoffen, es wiederholt sich.

München sendete einen Bericht vom Eucharistischen Weltkongreß von Horst Dallmayr. Sein eindrucksvoller Filmbericht enthielt alles, was denen, die nicht dabeigewesen waren, ein abgerundetes Bild vermitteln konnte. Er hat gut photographiert, und das originale Wort war unverstümmelt da, wo es dem Thema dienlich war. Aus München kam anschließend eine Fernsehaufzeichnung von einer Aufführung im Cuvilliestheater. Zu sehen war Monteverdis Oratorium "Der Zweikampf, szenisch dargestellt als Ballett, zuvor Chormusik: ein Genuß, doch nicht ohne Fehl. Im Bemühen, der Stimmung wegen nicht zuviel Worte zu machen, hatte man die Ansage ins Bild projiziert, das einfallslos auf einigen Details des kostbaren Theaters ruhte und den Text unlesbar machte. Und auch ein musizierendes Orchester, Sänger und Publikum kann man wohl ein wenig einfallsreicher photographieren. Gute Musik bedingt mitnichten langweilige und ermüdende Bilder. m. s.

Wir werden sehen