Die Wasag-Chemie AG, Essen, hat im Geschäftsjahr 1959 den zügigen Aufbau ihrer Werke weiter fortgesetzt. Mit dem auf 17,1 (13,5) Mill. DM erhöhten Investitionsaufwand hat der Konzern vor allem den weiteren Ausbau der Werksanlagen der Rheinischen Gummi- und Zelluloidfabrik Mannheim, der Nitrochemie GmbH, Aschau, und die Erweiterung der Auslandsinteressen vorangetrieben. In Mannheim, der zweifellos lukrativsten Tochter der ganzen Gruppe, wurde im vergangegen Jahre die vorgesehene Aufbaustufe der Kunststoffabrik erreicht. Die Konzernverwaltung ist der Auffassung, daß dieses Unternehmen, das erst 1953 aus der alliierten Kontrolle entlassen worden ist, jetzt den Anschluß an die Marktentwicklung gefunden hat, nicht nur mit seinen Zelluloid- und Spielwaren, sondern vor allem auf dem Kunststoffgebiet zu den führenden Verarbeitungswerken der Bundesrepublik zählt.

Zu dem Geschäftsablauf des Jahres 1959 erklärt die Verwaltung: Es könne für den Wasag-Bereich wohl von einer guten, aber nicht von einer überhitzten Konjunktur gesprochen werden. Geschäftszweigen mit erheblichen Fortschritten – wie Kunststoffe, Lieferungen von Industrieanlagen, Warenexporte – stehen andere gegenüber, die etwa gleichgeblieben sind, und auch solche, die die Erwartungen nicht erfüllt haben. Die Wasag-Chemie selbst – die nicht nur Holding, sondern zugleich auch Produktionsunternehmen ist – konnte ihren Umsatz ebenfalls um 24 vH ausweiten, vor allem auf Grund großer. Auslieferungen im Anlagengeschäft und erhöhter Exporte. Eine 28prozentige Umsatzsteigerung wurde in Mannheim erzielt. Auch die Guano-Werke AGerzielte eine Zuwachsrate von 14 vH, und die Nitrochemie GmbH hat ihren Umsatz auf Grund der Inbetriebnahme einer neuen Pulverfabrik sogar um 40 vH steigern können.

Allerdings hinkt die Ertragsentwicklung erheblich hinter dem guten Geschäftsgang her. Die Nitrochemie weist für 1959 einen "erheblichen Verlust" aus, der mit Anlaufkosten für die neue Anlage begründet wird. Wie die Verwaltung mitteilt, wird allerdings für 1960 ein befriedigendes Ergebnis erwartet. Das größte Sorgenkind der Wasag-Gruppe war im vergangenen Geschäftsjahr die Stickstoff-Werk Krefeld GmbH, die gemeinsam mit der Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG betrieben wird. Hier traten im Anlaufstadium technische Schwierigkeiten auf, die noch nicht überwunden sind. Die volle Kapazität und die vorgesehene Produktion konnten nicht erreicht werden. Gleichzeitig trat für Stickstoffdüngemittel auf dem Weltmarkt ein außerordentlicher Preisverfall ein, so daß eine Wirtschaftlichkeit nicht erzielt werden konnte. Im Hinblick darauf wurden die vorgesehenen weiteren Ausbaustufen zurückgestellt und im Frühjahr 1980 die Produktion für eigene Rechnung vorübergehend eingestellt. Der Partner dieser Beteiligung hat als Erzeuger des Hauptausgangsprodukts Ammonkarbonad das Werk bis auf weiteres gepachtet. Die Krefelder Tochter hat der Wasag-Chemie im Geschäftsjahr 1959 einen ansehnlichen Verlust eingebracht, über dessen Höhe allerdings keine Angaben gemacht werden. Er dürfte u. a. dazu beigetragen haben, daß die Wasag-Chemie, trotz ausgezeichneter Ergebnisse in anderen Sparten, die Dividende auf dem Vorjahressatz von 12 vH stehen läßt. Das Grundkapital hat sich im laufenden Geschäftsjahr durch weiteren Umtausch von Wandelschuldverschreibungen auf 11,158 (10,6) Mill. DM erhöht. Die umlaufenden Wandelschuldverschreibungen betragen noch 3,842 Mill. DM. Wenn der Umtausch ganz vollzogen ist, wird sich der Anteil der Bohlen-Industrie AG, Glinde, am Aktienkapital der Wasag-Chemie leicht von jetzt 75 auf 80 vH erhöhen. nmn.