Eine neue Entwicklung scheint sich anzubahnen – Aber große Probleme sind zu lösen

Von Jacques Stohler

Abgesehen von dem grundsätzlichen Beschluß, eine Lösung der Probleme zu suchen, die sich aus der Existenz des Gemeinsamen Marktes und der Freihandelszone der "äußeren sieben Länder" ergeben, ist über die wirtschaftliche Bedeutung der letztwöchigen Gespräche zwischen Adenauer und Macmillan nichts Konkretes bekanntgeworden. Im folgenden Artikel wird untersucht, vor welchem Hintergrund dieser Beschluß gefaßt worden ist und was er im Hinblick auf die Zukunft bedeuten könnte.

Während der letzten Wochen haben sich verschiedene Ereignisse zugetragen, die für sich betrachtet nicht sensationell zu sein scheinen, zusammen jedoch auf einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Großbritannien und den sechs Staaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hindeuten könnten. Die vorsichtige Formulierung drängt sich in diesem speziellen Falle ganz besonders auf, denn allzu oft haben sich die Hoffnungen auf eine Vereinbarung zerschlagen. Über die Erwägungen, die in London und Paris wirklich angestellt werden, ist außerdem nichts bekannt. Man ist also auf einen Indizienbeweis angewiesen.

Nun haben sich in letzter Zeit die Indizien einer gegenseitigen Annäherung allerdings gehäuft.

Symptome der Annäherung

Da war erstens im Juli die achte Tagung des von Jean Monnet geleiteten "Aktionskomitees für die Vereinigten Staaten von Europa", auf der Großbritannien und die übrigen europäischen Außenseiter des Gemeinsamen Marktes dazu aufgefordert wurden, den drei europäischen Gemeinschaften (EWG, Montanunion und Euratom) beizutreten. Monnet, der zur Zeit zwar kein Amt in europäischen Behörden bekleidet, hat eine ausgesprochene Abneigung gegen bloße Deklamationen. Er dürfte daher die Chancen seines Vorschlags in Paris und London sorgfältig untersucht haben.