RH-Hamburg

Es gibt kleine Häfen am Wattenmeer, deren Reiz für die Sommerfrischler darin besteht, daß sie alle zwölf Stunden ohne Wasser zu sehen sind. Dort erfüllt sich im Kleinen, was jeder sich einmal wünscht: den Ozean ohne Wasser zu sehen.

Die Hamburger Binnenalster ist nicht indieser Weise den Gezeiten unterworfen. Aber die Vorstellung, daß sie sich täglich einmal leert vermittelte den Hamburgern jetzt der kaufmännische Direktor der Wasserwerke. Er teilte ihnen mit, daß sie täglich soviel Wasser verbrauchen, wie ihre Binnenalster faßt. Zum Glück ist dieses nur eine Vorstellung. Müßten die Hamburger tatsächlich das Wasser der Binnenalster verbrauchen, sie wären noch schlechter dran, als sie es sind. Was jetzt in ihre Badewannen und Teekessel fließt, ist allerdings zu. einem Teil dem Alsterwasser an Ungenießbarkeit ähnlich: dieser Teil stammt aus der Elbe.

"Los von der Elbe" ist nun das Motto. "Wenn wir erreichen wollen, daß aus allen Wasserhähnen in der Hansestadt ein in jeder Beziehung einwand freies Wasser fließt, müssen wir von dem Elbwasser, weg."

Wenn sich die Leitung einer Monopolgesellschaft an ihre Kunden wendet – die Wasserwerke schickten den Hamburgern einen vierseitigen bebilderten Druck-Brief – so ist das sehr zuschätzen. Denn, würden sie ihren Verbrauchern nicht erklären, warum das Wasser nun teurer wird – sie, ihres Kunden, könnten ja trotzdem nicht zum Boykott aufrufen oder zur Konkurrenz gehen.

Wer hierzulande guten Kaffee oder Tee trinken will, kocht ihn mit Selterwasser. So fein aber, daß er in Selterwasser baden könnte, ist selbst in Hamburg niemand. So duften denn die Hamburger Bäder stark nach Chlor. "Sie und ich sind sicher übereinstimmend der Meinung, daß es ein auf die Dauer unhaltbarer Zustand ist, Ihnen dieses zwar hygienisch einwandfreie, aber stark gechlorte Wasser vorzusetzen", schreibt unser Wassermann, "... die Frage, ob schlechteres oder besseres Wasser, ist eine Finanzfrage. Unsere Finanzlage ist aber nicht rosig."

Wer soll die fünf neuen Grundwasserwerke nun wohl bezahlen, die Hamburg in die Lage versetzen würden, die Elbe nur noch für die Schiffahrt zu benutzen?