Was der Volkskommune und der "Anbetung des Eisernen Kalbes" entgegengestellt werden muß

Von Karl L. Herczeg

In Nr. 27 der ZEIT vom 1. Juli 1960 hat Prof. Herczeg (Rangoon) die bisherigen Versäumnisse der westlichen Entwicklungshilfe kritisiert. Er ergänzt im folgenden seine Ausführungen durch einige Gedanken über ein konstruktives Programm.

Die Richtlinien für die Neuorientierung der westlichen Auslandshilfe ergeben sich aus den bisherigen Versäumnissen und Fehlern, aber auch aus den neuen Aufgaben, die den Entwicklungsländern gestellt sind.

1. Im Vordergrund steht die Ausweitung und Zusammenfassung der Mittel. Vor allem müssen dabei die entwickelten westeuropäischen Länder aktiv eingeschaltet werden. Die Pläne zur Umgestaltung des Europäischen Wirtschaftsrates (OEEC) zu einer Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigen, daß diese Notwendigkeit bereits erkannt wurde. Durch den Beitritt der USA und Kanadas, den ursprünglichen Plänen zufolge auch Japans, zur OECD soll zunächst eine breite Plattform für ein gemeinsames Vorgehen geschaffen werden. Schon die vorbereitenden Gespräche zeigen allerdings die Schwierigkeiten: Die unbereinigten Fragen zwischen den "Sechs" und den "Sieben" erleichtern die Lösung der dringenden, weltweiten Aufgaben nicht gerade.

Auch opponiert London gegen die Teilnahme Japans, obwohl man in Wirklichkeit froh sein sollte, den einzigen asiatischen Kapitalexporteur einschalten zu können. Ferner ist zu berücksichtigen, daß die OEEC personell grundlegende Änderungen erfahren muß, wenn sie anstelle der administrativen Arbeiten der vergangenen Jahre nunmehr auch gestaltend die schwierigen Probleme der Entwicklungshilfe bewältigen soll. Der Leitung der neuen OECD würde es nicht zuletzt obliegen, eine Reihe von europäischen Regierungen davon zu überzeugen, daß sie längst zu potentiellen Gläubigern emporgerückt sind.

Miniatur-Marshall-Plan