r. g., Günzburg

Für den Außenstehenden könnte es aussehen, als ob hier zugunsten einer Konfession ein Beschluß gefaßt worden wäre", mit diesen Worten versuchte der Günzburger Bürgermeister Wagner zwei Beschlüsse des Stadtrats der bayrischen Stadt Günzburg, die von einer bemerkenswerten Sinnesänderung zeugen, vor Mißdeutungen durch "Außenstehende" zu bewahren.

Die nach dem Tode des bisherigen Amtsinhabers verwaiste Stelle eines Chefarztes am städtischen Krankenhaus in Günzburg ist zu besetzen. Der Stadtrat war ursprünglich der Meinung, der Münchener Privatdozent und Facharzt für Chirurgie an der Münchener Universitätspoliklinik Dr. Dr. Konrad Dietrich sei unter den 59 Bewerbern der geeignetste Mann für den Posten, Ein Gutachtergremium von drei bedeutenden Ärzten hatte Dr. Dietrich, der auch einen guten wissenschaftlichen Ruf genießt, als besonders geeignet fohlen. Der Stadtrat beschloß daher am 30. in Verhandlungen mit ihm einzutreten.

Dieser Beschluß ist vor kurzem aufgehoben den. In einer offiziellen Verlautbarung hieß "Zu berücksichtigende örtliche Belange ließen le Entscheidung zu seinen Gunsten nicht zu."

Was mag das heißen: örtliche Belange? Bür rmeister Wagner erklärt, daß es aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten gegeben habe und die nötige Vertrauensgrundlage nicht vorhanden gewesen sei.

Nun hat aber nicht etwa Dr. Dietrich das Vertrauen des Stadtrats enttäuscht. Es ist vielmehr die katholische Schwesternschaft des Günzburger Stadtkrankenhauses, die glaubt, kein Vertrauen zu Dr. Dietrich haben zu können – er ist Protestant. Das Mutterhaus der Schwestern des Dritten Ordens des hl. Franziskus in Mallersdorf, das offensichtlich auch darüber verärgert war, daß der Stadtrat vor seiner Entscheidung nicht mit den Schwestern Fühlung aufgenommen hatte, ging sogar soweit, die Abberufung der Schwestern aus dem Günzburger Krankenhaus anzudrohen, die dort seit über hundert Jahren wirken.

Diese Drohung blieb nicht erfolglos, zumal da auch das katholische Stadtpfarramt erklärt hatte, es sei besser, man trage bei der Stellenbesetzung den Günzburger Verhältnissen Rechnung. Nachdem der Stadtrat am 21. Juli seine Entscheidung für Dr. Dietrich mit zehn gegen acht Stimmen aufgehoben hatte, fand am 11. August eine weitere Sitzung statt, in der ein neuer Vorschlag zur Diskussion stand. Dabei gab es Krach.