Nachdem es zum offenen Bruch zwischen Dag Hammarskjöld und Lumumba gekommen ist, spitzt sich die Lage im Kongo immer mehr zu. Das Zerwürfnis entzündete sich an der Frage: Was ist die Aufgabe der UN?

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen antwortet: Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, ohne sich in die innere Angelegenheit des Kongo einzumischen und den Abzug der belgischen Truppen zu ermöglichen. Ministerpräsident Lumumba sagt: Das genügt nicht, die UN muß die Verfassung des Kongo wiederherstellen und gegen den abtrünnigen Tschombe in Katanga vorgehen. Er ist offenbar der Meinung, die UN-Truppe sei ihm als Hilfsmittel an Hand gegeben, um seine Zwecke durchzusetzen.

Lumumbas neueste Forderung, alle weißen Truppen müßten aus den UN-Verbänden zurückgezogen werden, stellt eine unerhörte Brüskierung der UN dar. Dag Hammarskjöld ist nach New York zurückgeflogen, um die Kongo-Frage zum drittenmal vor den Sicherheitsrat zu bringen. Lumumba hat derweil die der UN übertragene Aufgabe, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, an sich gerissen. Die kongolesische Armee nimmt wahllos Haussuchungen – auch beim UN-Personal – vor. Militärfahrzeuge der UN werden in den Straßen angehalten und kontrolliert. So werden die Ruhestifter selbst wieder zu Objekten neuer Ruhestifter, die eigentlich die alten Aufrührer waren. Man kann sich kaum eine chaotischere Situation vorstellen. Dff.