Von Hans Dietrich Ahrens

Vor acht Jahren trat der heutige Gouverneur der Cyrenaika – der großen westlichen Provinz des Vereinigten Königreiches Libyen – sein Amt an. Wer die Cyrenaika bereist, stößt immer wieder auf den Namen Hussein Mazigh – in Reparaturwerkstätten, in Gesprächen mit Beduinen und Hirten am Rande der Oasen, oder in Unterhaltungen mit Bankiers und Hoteliers. Seine Verdienste um den Aufbau des Landes werden in der Bevölkerung anerkannt. Die drei Gouverneure Libyens (der Cyrenaika, Tripolitaniens und des sehr gering bevölkerten Wüstenstaates Fezzan) werden vom libyschen König berufen. Hussein Mazigh repräsentiert die junge Führungsschicht des aufstrebenden Landes.

Frage: Herr Gouverneur, ich habe als Gast Ihres Landes den großen Fortschritt auf allen Gebieten gesehen. Sind Sie mit dem Tempo des Aufbaus zufrieden?

Antwort: Als ich die Aufbauarbeit als Gouverneur dieser Provinz vor acht Jahren übernahm, standen wir vor schwierigen Aufgaben. Wir haben den Aufbau Schritt für Schritt, also organisch, eingeleitet. Wir hoffen, daß die Hilfe des Auslandes es uns erlauben wird, das bisherige Tempo nicht nur zu halten, sondern ze beschleunigen. Vom Gründerfieber werden wir uns aber nicht anstecken lassen.

Frage: Auf welchen Gebieten der Wirtschaftsentwicklung Ihres Landes bestehen ihrer Absicht nach auch Chancen für deutsche Firmen?

Antwort: Es haben sich schon eine Reihe deutscher Firmen in Entwicklungsprojekte eingeschaltet – unter gleichen Startbedingungen mit der internationalen Konkurrenz. Die Wasserleitung Tobruk – Derna ist bereits im Bau (Mannesmann AG). Deutsche Firmen (Zyblin und Hochtief) haben sich ander Ausschreibung für das Großprojekt der Ausbaggerung und des Ausbaus des für uns so wichtigen Hafens von Benghazi beteiligt. Besonders am Herzen liegt uns auch der Aufbau einer guten Fischfangflotte, die Gründung von Konservenfabriken verschiedenster Art (zur Verarbeitung von Fisch und Obst), die Anlage von Kühl- und Lagerhäusern in Benghazi nach Vollendung des dortigen Hafens, die Entwicklung einer leistungsfähigen Lederindustrie, die Förderung des Kunsthandwerks unter Anknüpfung an alte Kunsttraditionen dieses Raumes. Dies sind Aufgaben, die wir neben der Erdölförderung nicht vernachlässigen wollen. Deutsche Firmen sind natürlich bei solchen und anderen Ausschreibungen herzlich willkommen. Unser Land hat viele Chancen für alle, die produktive Mitarbeit anzubieten haben.

Frage: Welche Garantien bestehen für die Sicherheit ausländischer Kapitalanlagen in Libyen?