Der Feuerwehrchef aus New York

Während der letzten drei Wochen ist UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld mehr als 40 000 Kilometer geflogen – von Amerika nach Europa, von Europa nach Afrika, von Afrika nach Amerika, von Amerika nach Afrika, von Afrika nach Amerika.

Fast am bemerkenswertestenan der ganzen Kongo-Krise ist die physische Spannkraft des 55jährigen Schweden, der die Hauptlast oder jedenfalls die ganze Verantwortung zu tragen hat. Hammarskjöld verlangt soviel von seinem Stab, daß immer, wenn er aus New York ein Aufatmen durch die Arbeitsräume im 38, Stock des UN-Wolkenkratzers geht. D. H. (wie ihn seine Freunde nennen) kommt gut und gern mit zwei Stunden Schlaf aus, und da er weder Frau noch Kinder hat, fällt es ihm schwer zu begreifen, daß seine Mitarbeiter auch noch ein Privatleben haben. Wenn er sich entspannen will, liest Dag Hammarskjöld Joyce, Proust und Eliot oder er verbringt den Abend im Kreise intellektueller Freunde,

Während der jüngsten Krise hat der zurückhaltende, ruhige Mann seine Mitarbeiter durch die zupackende Art überrascht, mit der er Entschlüsse faßt und sogleich in die Tat umsetzt. Um die Ein stimmigkeit im Sicherheitsrat zu gewährleisten hat er alle Vertreter der afro-asiatischen Staaten einzeln durch seine Bestimmtheit und Überredungskunst "weich gemacht". Er wußte genau, daß sie weder die Vereinigten Staaten noch die Sowjetunion gegen eine Entscheidung dieser Länder stemmen würden.

Hammarskjölds mächtigste Waffe ist das Telephon. Mit seiner Hilfe gelang es ihm, innerhalb von 48 Stunden UN-Truppen für den Kongo aufzustellen: Er rief von New York aus persönlich die afrikanischen Ministerpräsidenten an und bat sie um ihre Hilfe. Genauso selbstverständlich wie das Telephon ist ihm auch das Flugzeug. Während der sieben Jahre als Generalsekretär hat er sich daran gewöhnt, Ortsveränderungen kaum noch zu beachten. Es macht für seine Arbeit keinen Unterschied, ob er am Schreibtisch in New York oder in einer transatlantischen Maschine sitzt... Pd