Harvard im August

Vizepräsident der Vereinigten Staaten?" Der Professor für Chirurgie starrte in sein Whiskylas. "Weiß der Kuckuck, weshalb sich die Politiker nach diesem Amt drängeln – es sei denn, sie besäßen geheime Berichte über die ramponierte Gesundheit des Präsidentschaftskandidaten ..."

Es war eine jener Cocktail-Parties, mit denen sich Amerika bei kühlen Getränken die heiße Jahreszeit vertreibt. Das Thema der Cocktail-Gespräche ist in diesem Sommer überall das gleiche: der Wahlkampf. Amerika spielt ein neues Gesellschaftsspiel – Mensch ärgere dich, oder: Wer wird Präsident?

Die Berufsauguren halten sich mit ihren Prognosen noch zurück. Kennedy geht mit einem erheblichen Vorsprung ins Rennen, soviel steht fest.-Daß Nixon diesen Vorsprung jedoch nicht aufholen könne, das wagt kaum einer zu behaupten. So vieles kann bis zum 8. November noch passieren ...

Um so rühriger sind freilich die Amateur-Auguren. Einer von ihnen, ein Harvard-Professor für politische Wissenschaften, lieferte mir bei jener Party der wissenschaftlichen Beweis, daß John F. Kennedy die Wahl gewinnen wird.

"Man muß nur die Geschichte ein bißchen kennen", sagte er. Dann wird die Sache ganz einfach."

"Aha", sagte ich.