"Haste de Nummernschilder?!" Nämlich von des Betreffenden "alter ostzonaler Schaukel": die mußten erst passend gemacht werden; das heißt, die Schraubenlöcher genau aufeinander, sämtliche Muttern geölt. Und dann als erstes wirkliches Risiko

"Durchs Brandenburger Tor: und det war vielleicht enge, Mensch: ‚Kieck du links raus; ich rechts‘."; so waren sie, die Wände beinahe streifend, durch jenes nicht-marmorne deutsche Wahrzeichen gesteuert; und drüben harrte schon der Volkspolizist.

Nun braucht man im inner-berlinischen Verkehr weiter keine Papiere – aber daß sich einer zur Besichtigung des Ostsektors ausgerechnet einen leeren Omnibus wählt, befremdete den Blanken, und mit Recht, doch ein wenig. Der Dicke aber, eiserner Stirnen rundherum übervoll, hatte so lange auf seine besichtigungslustige Korpulenz und den einen Freund verwiesen, bis der Beamte endlich achselzuckend sagte: "Et kost’ ja Ihr Benzien." Und ihn weiterließ.

"Aber nu kam de eigentliche Schwierigkeit"; und das war der Übergang aus Ostberlin in die ‚Zone‘, also disons le mot, die DDR: "Da hatt’ ick nu schon vorher meine Bekannten mobilisiert jehabt: ‚Sucht ma ’n janz einsam Grenzüberjang raus‘" – er hielt den Zeigefinger effektvoll drei Zentimeter vor die dicken Cäsarenlippen und funkelte uns Lauschende majestätisch an (und geschmeichelt auch. Die Gebärden der Erzähler hier sind mannigfaltig).

"Und zwar in Richtung Ludwigslust. – Ick fah da also immer an’n Kanal lank. Vor uns keener, hinter uns keener; et iss ja ooch bloß ’n halber. Feldwech." Steuerbord voraus kam der Kontrollpunkt in Sicht: eine simple Bretterbude, ganz einfältig. Bis auf 300 Meter fuhren sie ran –

"Dann wir runter. Ick saache: ‚De Schilder her: ick vorne, du hinten!‘ Und de Muttern bloß so mit de Finger anjezogen. Rinn in’n Kanal mit de alten Schilder; und immer noch keen Aas in Sicht. Und ick rieht’ ma uff. Und ick dreh ma um. Und ick saache bloß: ‚Hier haste dein’ Omnibus’." (Und wir nickten alle im neidischen Takt: es gibt schon noch Männer!).

"Der konnte det jaa nich’ jlooben! Det er nu ’n neuet Auto hatte." Hatte nur immer strahlenc das neu auf West lackierte Ungetüm betrachtet der Betreffende. Und dann wieder den mutig Dicken. Hatte sich selig ans Steuer geschwungen ihm noch ‚Hundert Ost: für ’t Mittachessen!‘ ist die Hand hinuntergedrückt; und war dann abgebrummt.