An der Börse nehmen die Versicherungs-Aktien eine Sonderstellung ein. Sie sind etwas für Kenner oder für Leute, die auf einen guten Berater zurückgreifen können. Mit Versicherungs-Aktien muß man sich lange Zeit befaßt haben, ehe man erkennen kann, was billig und was teuer ist. Jede Versicherungs-Aktie ist anders "ausgestattet", außerdem ist es eine Wissenschaft für sich, Versicherungs-Bilanzen zu lesen und analysieren zu können. Ich habe nicht die Absicht, meine verehrten Leser, Sie in diese Wissenschaft einführen zu wollen. Aber es erscheint mir als nützlich, wenn wir das Thema einmal in groben Umrissen berühren. Sie kennen dann wenigstens die Probleme und können sich danach, falls es Sie interessiert, mit Fachleuten in Verbindung setzen.

Zunächst einmal folgendes: Der Handel mit Versicherungs-Aktien ist allein schon deshalb kompliziert, weil diese Aktien überwiegend Namensaktien sind. Namensaktien (im Gegensatz zu den üblichen Inhaberaktien) lauten auf den Namen des Inhabers, der auch in das Aktienbuch der AG eingetragen wird. Die Satzung der Versicherung kann die Übertragung dieser Aktie an die Zustimmung der Verwaltung binden. Die Versicherungen wollen damit verhindern, daß sich Aktionärs-Gruppen bilden, die ihnen aus irgendwelchen (meist Konkurrenz-)Gründen nicht erwünscht sind. Man schützt sich vor Überfremdung Das ist aber nur der eine Grund, von dem man auch gar nicht so gern spricht. Offiziell heißt es vielmehr, daß Versicherungen Namensaktien ausgeben müssen, weil Versicherungs-Aktien in vielen Fällen nicht voll eingezahlt werden. Es kann beispielsweise vorkommen, daß auf eine Aktie über nom. 100 DM erst eine 50prozentige Einzahlung geleistet worden ist. Der Inhaber der Aktie ist jedoch verpflichtet, die restlichen 50 DM an die Gesellschaft zu zahlen, wenn sie diesen Betrag anfordert. Das ist der Fall, wenn sich das Geschäft vergrößert hat oder die Versicherung Verluste erlitten hat, die nur noch mit neuem eigenem Kapital gedeckt werden können. Die Versicherung muß deshalb bei ihren Aktionären die Gewähr haben, daß sie die Restzahlung auch jederzeit leisten können.

Das Problem der nicht voll eingezahlten Aktien macht die von den sonstigen Aktien abweichende Stück-Notierung notwendig. Die meisten Versicherungs-Aktien werden deshalb in DM pro Stück notiert. Nehmen wir als Beispiel die Aktien der Allianz Versicherung. Das Stück lautet über 200 DM, ist jedoch nur zu 88,13 vH eingezahlt, also mit 176,26 DM. Auf diesen Betrag erhielt der Allianz-Aktionär für 1959 eine Ausschüttung von 28 (25) DM. Das entspricht einer Dividende van rund 16 vH. Für die 200-DM-Aktie muß man an der Börse zur Zeit einen Preis von 3900 DM bezahlen. Von der Rendite her gesehen wohl völlig unverständlich. Die Käufer von Allianz-Akten spekulieren auf die Ausgabe von Berichtigungs-Aktien, obwohl die Gesellschaft selbst dazu bislang keine Bereitschaft erkennen ließ. Vielleicht hofft man auch auf eine Kapitalerhöhung. In die Allianz-Aktie wird also sehr viel Phantasie hineingelegt. Abzuwarten bleibt, was davon in Erfüllung gehen wird. Auf alle Fälle handelt es sich um ein Papier, das zu den besten am Versicherungsmarkt gehört.

Ich möchte hier keine weiteren Versicherungs-Aktien namentlich erwähnen. Wenn Sie sich für Einzelheiten interessieren, so lassen Sie sich von Bankhaus C. G. Trinkaus, Düsseldorf, die neueste Veröffentlichung über Versicherungs-Aktien kommen, die einen guten Überblick über Kurse, Einzahlung und Dividende bei Versicherungs-Aktien enthält. Sie werden feststellen, daß diese Papieie einen kräftigen Kursanstieg hinter sich haben. Dibei haben Hoffnungen auf günstige Kapitaerhöhungen eine wesentliche Rolle gespielt. Vielfach verfügen nämlich Versicherungsunternehmen im Verhältnis zu ihrem rasch gestiegenen Geschäftsvolumen über ein so kleines Kapital, daß Kapitalerhöhungen zu erwarten sind bzw. bereits durchgeführt wurden.

Das ist aber nur ein Grund. Verantwortlich für den Kursanstieg vieler Versicherungsunternehmen waren aber auch sogenannte Majoritäts-Käufe. Nach dem Kriege hat sich in der deutschen Versicherungswirtschaft eine Art Konzentration vollzogen. Zur Abrundung ihres Geschäfts haben Versicherungsgesellschaften, die beispielsweise bislang ausschließlich im Sachversicherungsgeschäft tätig waren, vom Kapital her maßgeblichen Einfluß auf Lebensversicherungs-Unternehmen genommen. Oftmals gegen den Willen der aufgekauften Firmen, die ihrerseits Gegenkäufe starteten. Auf diese Weise kamen Kampfkurse zustande. Auch ausländische Versicherungsgesellschaften haben versucht, über die Majorisierung deutscher Unternehmen in der Bundesrepublik Fuß zu fassen. Auf diese Weise sind dann Börsennotierungen zustande gekommen, die sich weder von der Rendite noch von der Substanz oder Zukunftsaussichten verantworten lassen. In diesen Fällen hat der Normal-Anleger eigentlich nichts mehr in einem solcherart beeinflußten Papier zu suchen. Für den Interessenten ist es anders. Seine sonstigen Pläne gestatten eine andere Kalkulation.

Darum noch einmal: Wer seine Ersparnisse in Versicherungs-Aktien anlegen will, muß sich vorher eingehend mit der Materie befassen. Nicht nur mit den von anderen Marktgebieten abweichenden wertpapiertechnischen Gegebenheiten, sondern auch mit den besonderen Verhältnissen einer jeden Gesellschaft.

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius