Die Preis-Stabilisierung zwingt die Unternehmer zu schärferem Kalkulieren

Von Werner Meyer

Einen maßgebenden Einfluß üben die Unternehmungen auf Konjunktur und Beschäftigung durch die Entwicklung der Gewinne und Investitionen aus, wobei die Höhe der Investitionen stark von den erzielten und erwarteten Gewinnen abhängig ist. Die Gewinne schwanken ihrerseits wieder je nach der Entwicklung der Erträge und der Kosten. Wir haben in unseren ersten konjunkturellen Lagebericht (s. Die ZEIT Nr. 33) auf die Bedeutung der relativen Preis-Stabilität für die Kaufentschlüsse der amerikanischen Konsumenten hingewiesen.

Die "Beruhigung" der Preise hat auch die Verhaltensweise der Unternehmer bereits nachhaltig beeinflußt. Die amerikanischen Unternehmer, die in den vergangenen Jahren mit fortgesetzten Preiserhöhungen rechnen durften, sind plötzlici gezwungen, schärfer zu kalkulieren. In der Praxis wirkt sich das teilweise so aus, daß man versucht, die Kosten in Schach zu halten, indem man menschliche Arbeitskraft noch mehr als bisher durch Maschinen ersetzt.

Mit welchem Erfolg das geschieht, zeigt das Beispiel der amerikanischen Stahlindustrie, der es in den letzten 15 Jahren tatsächlich gelungen ist, den sogenannten Break-even point (jenes Produktionsvolumen, bei dem die Unternehmungen weder mit Verlust noch mit Gewinn arbeiten) von einem 80prozentigen auf einen etwas übes 30prozentigen Ausnutzungsgrad der Kapazität zu senken! Der letzte große Stahlstreik wurde von den Gewerkschaften denn auch folgerichtig wegen ihrer umstrittenen Zuständigkeit in Fragen der Arbeitsorganisation geführt – Probleme, die das Verhältnis "Mensch/Maschie" betreffen.

Rationalisierungs-Investitionen

Die Investitionen werden durch diesen Prozeß natürlich angeregt und sollten sich eigentlich auch in Zukunft auf hohem Niveau halten, denn die Rationalisierungsmaßnahmen machen sich in den Gewinnausweisen positiv bemerkbar. Im ersten Quartal 1960 erhöhten sich die privaten (saisonbereinigten) Brutto-Investitionen im Vergleich zum Durchschnitt des Jahres 1959 von 72 auf 79,3 Mrd. Dollar. Der Zuwachs gegenüber dem vierten Quartal 1959 betrug 12 vH. Im zweiten Quartal erfolgte eine leichte Abschwächung auf 75,5 Mrd.