Rückkehr der amerikanischen Satellitenkapsel – Wasserstoffbomben auf der Kreisbahn?

Von Adalbert Bärwolf

Stockholm, im August

In dem Wettstreit der Großmächte um die Eroberung des Weltraums haben die USA die Sowjetunion zum erstenmal geschlagen. Den Amerikanern ist es zuerst gelungen, eine Satellitenkapsel aus der Kreisbahn heil zur Erde zurückzubringen. Das bedeutet eine zweite Revolution der Raketentechnik; und sie übertrifft die erste – den Sputnik-Abschuß vor fast drei Jahren – bei weitem an technischer Schwierigkeit, wissenschaftlicher Bedeutung und potentiellen militärischen Möglichkeiten.

Damit haben die Vereinigten Staaten die letzte und schwierigste Barriere zum bemannten Raumflug überwunden. Die kleine, 135 Kilogramm schwere Satellitenkapsel, die dem Feuertod beim Wiedereintauchen in die Erdatmosphäre entging, ist der Beweis dafür, daß der Mensch nicht nur künstliche Himmelskörper kreisen lassen kann, sondern daß er sie auch, auf ein Kommando von seinem Stern aus, wieder zurückzuholen vermag.

Neue Zuversicht in USA

Diese technische Leistung ist bedeutsam genug, aber daneben konnten die Amerikaner noch einen großen Erfolg verbuchen: Endlich haben auch sie es einmal fertiggebracht, den gebührenden propagandistischen Nutzen daraus zu ziehen. Am Vorabend des 11. Internationalen Astronautischen Kongresses in Stockholm haben die Amerikaner ihren künstlichen Stern wieder eingefangen. Ihnen ist ein ähnlicher Coup gelungen wie 1957 den Russen, als sie Sputnik I zur Eröffnung des Kongresses von Barcelona um die Erde schickten.