Was Dr. von Beckh – wohl der erfahrenste Luftfahrtmediziner der Welt – mit praktischen Schwerelosigkeitsflügen am eigenen Körper herausfand, ist dies: Beim bemannten Raumflug tritt eine Wechselwirkung von Beschleunigung und Gewichtslosigkeit auf. Solange die Rakete beim Aufstieg in die Satellitenbahn brennt, treten Beschleunigungen bis zu 9 G auf, mit "anderen Worten: der Mensch wiegt in diesem Augenblick neunmal soviel wie auf der Erde. Sobald der Motor der Rakete abgeschaltet wird, beginnt die Phase der Schwerelosigkeit. Diesen Zustand konnte man bisher in Flugzeugen nur etwa 60 Sekunden lang nachahmen. Das erste Lebewesen, das längerer Schwerelosigkeit ausgesetzt war, war der russische Weltraumhund Laika, der zum erstenmal in einem biologischen Experiment allen Umständen des Weltraumfluges ausgesetzt war. Wir wissen von dem russischen Weltraummediziner Dr. Kousnetzow, daß der Pulsschlag des Tieres um das Dreifache anstieg, solange die Rakete beschleunigt wurde. Das Atmungssystem wurde ebenfalls dreifach belastet. Doch zeigten die Herzfunktionen von Laika auf dem Elektrokardiogramm keine gefährlichen Abweichungen. Sobald sie im schwerelosen Zustand war, schlug ihr Herz wieder fast normal.

Was Dr. von Beckh aber nun in seinen Selbstversuchen herausgefunden hat, ergab ein bedenkliches Ergebnis: Die Wirkung der Beschleunigungen auf den Menschen ist stärker, wenn er sich vorher im gewichtslosen Zustand befunden hat. Der Arzt kam zu dem Ergebnis, daß Gewichtslosigkeit allein den Raumfahrtpiloten weniger in Gefahr bringt, als wenn sie noch zu anderen Belastungen hinzutritt und deren Wirkungen verstärkt.

Die Sowjets sind nach ihrem letzten Weltraumerfolg den Amerikanern nun wieder um einige Schritte voraus. Erst, wenn die Schimpansen des Dr. von Beckh aus einem Satelliten sicher zur Erde zurückgebracht worden sind, wird auch der Westen das Rätsel der Raumfahrt entschleiert haben.