Ein Ballett aus der neuen Republik Guinea hat in London ein dreiwöchiges Gastspiel begonnen. In der englischen Hauptstadt gibt es ein sachverständiges Publikum für die Disziplin der graziösen Bewegungen und Stilisierungen des Balletts europäischer Provenienz. Der Tanz dieser dunklen Afrikaner jedoch ist offensichtlich ein Naturereignis, emotional, vital und voll Energie; die weiblichen Mitglieder treten – in einigen Tänzen wie Gott sie geschaffen hat, mit entblößtem Oberkörper, auf, und Sir Norman Gwatkin, dee über die "Anständigkeit" der Theatervorstellung in England wacht, entschied sich glücklicherweise für diese sparsame Bekleidung, obwohl nach englischem Gesetz unbekleidete Frauen auf Bühnen bisher nur auftreten durften, wenn sie sich nicht bewegten.

Die 34 Tänzer und Musikanten aus Guinea sind eine Ansammlung von Individualisten; jeder leistet einen ganz persönlichen Beitrag; von müheloser, athletischer Kraft die Tänzer, von großer Virtuosität die Trommler. Sie verkörpern eine lebendige Volkskunst, die dem Feuerfresser-Ritual zwanglos politisch-nationalistische Szenen anfügt, die mit Horror die Tage der kolonialen Gewaltherrschaft spiegeln und in einem wilden Freudentanz enden, der die Vergangenheit unbekümmert auslöscht. Der künstlerische Direktor dieser Solisten, Kante Facelli, hat, wie die amerikanische Negertänzerin Katharine Dunham, die Gabe, die Ursprünglichkeit und Naivität der farbigen Kunstler auch in der Vorstellung auf einer großstädtischen Bühne Europas zu erhalten. Aufn. (2): dpa