Von Hoimar v. Ditfurth

Kurpfuscher haben es heutzutage nicht leicht. Die ihrerseits oft nahezu abergläubische Ergebenheit, mit welcher der Zeitgenosse jedwedes wissenschaftliche Ergebnis als der Weisheit letzten Schluß hinnimmt, stellt für den Quacksalber als Aftermieter der Wissenschaft ein beträchtliches Handikap dar. Wen kann es wundernehmen, wenn der durch akademische Verfolgung also Geschädigte zu der besten Tarnung greift, die es geben kann: indem er sich die Uniform seines Widersachers überstreift. Nur in der Lüneburger Heide, im Bayerischen Wald, oder ähnlich unterentwickelten Gebieten bemühen heute einige hoffnungslos Zurückgebliebene noch Hexen, Zaubertränke und ähnliche Ladenhüter mit wenig befriedigendem Erfolg.

Ein leuchtendes Beispiel für fortgeschrittenen, zukunftsweisenden Aberglauben gibt dagegen

N. Sementowsky-Kurilo: "Astrologie und Psychologie"; W. Classen Verlag, Zürich; 112 S., 5,80 DM.

Der Untertitel "Angewandte Psychologie" verrät auf den ersten Blick, daß der Autor erfaßt hat, worauf es ankommt. Nicht von der traditionellen Hypothese direkter Astraleinflüsse ist hier mehr die Rede, Skurilo – pardon: Kurilo, der seinen C. G. Jung mit Erfolg gelesen hat, identifiziert die zwölf Tierkreiszeichen schlicht mit archetypischen Urbildern und macht sich und seine Kollegen zu "kosmopsychologischen Beratern".

Das Ganze wird mit so viel Geschick und Witz vorgetragen, daß die Lektüre Vergnügen bereitet. So wird etwa das unvermeidbare Eingeständnis, daß sich die Behauptungen der Astrologie nicht beweisen lassen, mit dem einfach genialen Argument entkräftet: dieser Mangel sei lediglich die Folge des Fehlens akademischer astrologischer Fachinstitute, die derartige Beweise erarbeiten könnten.

Sachlich bleibt – Astrologie hin, Kosmopsychologie her – alles hübsch beim alten: Nach wie vor ist Mars für Konflikte und ähnliche Wirren, die Jungfrau für Keuschheit und Reinheit zuständig – aus keinem anderen Grund, als weil ein ägyptischer oder assyrischer Astronom sie einst gerade so und nicht anders benannte (beide stehen selbstredend aber auch für die gegenteiligen Qualitäten, damit im konkreten Einzelfall bei der Deutung nichts fehlschlagen kann).

Ein harmloses Buch also? Ich weiß nicht recht. Kurilo tritt mit großer Überzeugungskraft und Vehemenz für eine staatlich befürwortete kosmopsychologische Berufsberatung, Eheberatung und ähnliche Institutionen ein. Die Zuversicht und Eleganz, mit welcher der Autor seine Thesen vorträgt, lassen darauf schließen, daß er die von ihm rhetorisch gestellte Frage, ob es denn denkbar sei, daß eine große Schar gebildeter Menschen der Astrologie anhängen könnte, wenn es sich bei ihr um ein unbewiesenes Hirngespinst handelte, für sich selbst zuversichtlich bejaht.