H. S., Rostock

In der mecklenburgischen Hafenstadt Rostock wurde der ehrwürdige Hinstorff-Verlag, der sich in früheren Zeiten durch die Herausgabe juristischer und theologischer Schriften einen guten Namen gemacht hatte, verstaatlicht und in eine Agitationszentrale für die Skandinavien-Politik Ostberlins verwandelt. Gemäß den Anordnungen der Skandinavien-Experten der SED, Erich Honecker und Karl Mewis, wird ein "ideologischer Feldzug" vorbereitet. Mit der Ausführung ist ein Konrad Reich aus Rostock beauftragt.

Vorgesehen ist eine monatlich erscheinende "Ostsee-Rundschau", die in deutscher, schwedischer, dänischer, finnischer und norwegischer Sprache gedruckt werden soll. Sie hat den Auftrag, kommunistische Propaganda, vorwiegend in literarischer Form, nach Skandinavien zu tragen.

Auch der größere Teil der Buchproduktion des "VEB Hinstorff-Verlages" wird zweisprachig gedruckt. Die fremdsprachigen Ausgaben sollen zu "sehr günstigen Preisen" in Skandinavien abgesetzt werden.

Auf dem diesjährigen Programm stehen Bildbände und Reportagen über die "sozialistischen Errungenschaften" der Zone, Reden und Aufsätze kommunistischer Politiker und vor allem die Werke Kurt Bartels, der sich Kuba nennt. Seine "Gesammelten Werke" sollen ein "Zeugnis sozialistischer Buchdruckerkunst" werden: Bestes Papier, vorzügliche Illustrationen, Einband aus Ziegenleder. Der "Störtebecker"-Band wird zusammen mit einer Schallplatte geliefert, auf der die Musik zu Bartels "Störtebecker"-Festspiel festgehalten ist, das Zonenministerpräsident Grotewohl im vergangenen Jahre als "größtes Kulturereignis seit der Renaissance" bezeichnete.

Für den Absatz der Bücher in Schweden sollen weitgehend die offiziellen Vertretungen in diesem Lande benutzt werden: die Generalvertretung der Reichsbahn, der Stockholmer Stützpunkt der Ostberliner "Gesellschaft für kulturelle Verbindungen mit dem Ausland", die Handelsvertretung und die Stockholmer Dienststelle der Zonenagentur ADN.

Der Rostocker Verlag hat außerdem die Aufgabe, kommunistische und linksgerichtete Schriftsteller Skandinaviens, die auf dem heimatlichen Markt keinen Absatz finden, finanziell zu unterstützen. Die Honorare sind entsprechend hoch. Auch für "Stipendien", "Reisen", "Studienaufenthalte" und "literarischen Hilfsarbeiten" steht ein beachtlicher Etat zur Verfügung. Überdies will der Verlag eine Galerie einrichten, die Bilder und Plastiken skandinavischer Künstler ankaufen wird.