Wolfgang Ebert: "Deutsche unerwünscht", ZEIT Nr. 31

Ihre Bemerkungen über die Touristen, die in hellen Scharen ganz Europa unsicher machen, haben mich außerordentlich amüsiert, aber in einem Punkt muß ich Ihnen widersprechen. Der Held Ihres Aufsatzes erklärte nämlich, daß er nach Feuerland fahren müsse, um einmal auf Urlaub "keine Deutschen zu sehen". Er hat dabei leider die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn wie ich auf einer meiner häufigen Reisen in jene Gegend feststellen konnte, wird auch dieser letzte Zipfel der Erde von deutschen Touristen besucht, die auch hier sehr anspruchsvoll auftreten und nur zu oft unliebsames Aufsehen erregen. Hans Engel, Santiago/Chile

Satiriker haben es bitter schwer in unserer Zeit. Entweder wird ihr Spott mißverstanden – oder eine grausame Realität raubt ihnen das Produkt ihrer Phantasie: die Pointe. Vielleicht ist sie in diesem Falle gerettet, wenn man als Reiseland, wo es keine deutschen Touristen gibt, die Antarktis statt des Feuer-, landes nennt. Ein anderer Vorschlag: Bilden Sie sich ein, all die Deutsch-Sprechenden, die Sie irgendwo in der Welt treffen, seien Nicht-Deutsche, die unsere Sprache nur als "Tarnung" vor den Touristen aus ihrem eigenen Lande benutzen. DIE ZEIT

Nachruf auf Paul Hühnerfeld

Paul Hühnerfeld, der eigens, im Namen der ZEIT, die Reise zu mir nach Paris unternommen hatte, um über den Vorabdruck unsrer Briefe (der Yvans an mich und vice versa) zu verhandeln, hatte sofort meine Wertschätzung und Sympathie erworben. Seine dynamische Persönlichkeit, seine geistreichen à propos und seine sensible Einfühlung in die Probleme heutiger Dichtung zeigten mir, welche Begabung diesen jungen Mann von vielen anderen Kritikern unterschied und was für eine bedeutende journalistische Laufbahn ihm noch bevorstand.

Er und sein Schwager überredeten mich dann freundschaftlich, sie an das Grab meines Mannes zu begleiten (auf den Friedhof Père Lachaise), das sich gegenüber von Chopins Grab befindet. Ich lehnte zuerst ab, indem ich den beiden Herren erklärte, daß ich grundsätzlich nicht in Autos steige, da mich jedesmal eine Art Panik ergreift.