Statt der sonst üblichen Einleitung, meine verehrten Leser, beachten Sie bitte den nebenstehenden Brief, der mir die Gelegenheit gibt, etwas Grundsätzliches sowohl zu der Gestaltung des Börsenteils der ZEIT als auch zum Problem der Montan-Aktien zu sagen.

Zunächst: In jeder Ausgabe der ZEIT wird darauf hingewiesen, daß in diesen Seiten keine "Börsentips" zu finden sind. Es sollen Anregungen und Hinweise vermittelt werden. Ihnen, meine Leser, muß es überlassen bleiben, wie Sie den Stoff, der Ihnen dargeboten wird, verwenden. Eine Zeitung kann nicht sagen: Kaufen Sie jetzt diese Aktie, sie wird auf 1000 vH steigen. Oder: Verkaufen Sie dieses Papier, weil ein Rückschlag bevorsteht. Solche Anforderungen sind nicht zu verantworten. Das überlassen wir denjenigen, die sich berufsmäßig mit dem Verkauf von Börsentips befassen.

Der Aktienmarkt ist etwas sehr Lebendiges. Da die Börse bemüht ist, möglichst weit in die Zukunft zu sehen und diese Zukunft bei der Kursbildung zu berücksichtigen, lebt sie von Nachrichten. Es ist jedoch nahezu unmöglich, sofort die Richtigkeit der Nachrichten und ihre tatsächliche Bedeutung festzustellen oder abzuschätzen. Nun kann sich eine Zeitung darauf beschränken, die Nachrichten (und Börsengerüchte) zu sammeln, um sie dann kommentarlos an die Leser weiterzugeben. In der ZEIT wird das nicht gemacht, sondern ein (für manche Leser – wie ich weiß – zu vorsichtiger) Versuch einer Deutung und Beurteilung gemacht. Daß darin ein Risiko liegt, muß hingenommen werden. Deshalb besteht auch keinerlei Scheu, einmal Urteile zu korrigieren, wenn neue Fakten bekanntwerden, die ^Lislang nicht berücksichtigt waren. Es gibt bei der Vermögensanlage nichts Verhängnisvolleres, als sich selbst etwas vorzumachen. Nur um nachträglich recht zu bekommen.

Nun zum besonderen Falle der Montan Aktien. Unser verärgerter Leser hat vor einigen Wochen Aktien der Klöckner-Werke erworben. Er vermißt jetzt die Kursgewinne, die in der gleichen Zeit bei anderen Papieren aufgetreten sind. Dazu darf ich wiederholen: DIE ZEIT gibt keine Tips für eine kurzfristige Spekulation. Ob sich die Klöckner-Aktien letzten Endes als eine solide (und vorteilhafte) Vermögensanlage herausstellen werden, kann doch wohl jetzt noch nicht abschließend beurteilt werden. Überdies ist zu berücksichtigt daß gerade bei Klöckner keine jungen ^Akeiter herumvagabundieren, denn die ^Gesellschaft hat keine Kapitalerhöhung ^durchgefuhrt.

Nicht nur unser ^Mannheimer Lesagster aber die Entwicklung der ^Montan-Kuste erteracht. Wer aufmerksam die immer wieder feststellen ^konnen da Kleain und kleinste Beträge an Montan-Aktien angeboten werden, die massiert natürlich einen nachhaltigen Kursdruck ausüben. Teilweise wurden Montan-Aktien verkauft, um Mittel zum Kauf der jeweils haussierenden Favoriten zu beschaffen. "Und das in einer Zeit, in der es der Eisen- und Stahlindustrie an Rhein und Ruhr ungewöhnlich gut geht!" So war es in einem Börsenbericht des Bankhauses Münchmeyer & Co., Hamburg, zu lesen. "Es ist jedoch fraglich", so heißt es dort weiter, "ob die jetzt noch vorgenommenen Tauschoperationen zugunsten der bereits stark gestiegenen Spitzenpapiere in jedem Fall den erhofften Erfolg bringen werden."

Aber wie konnte es überhaupt zu der Verärgerung über die Montan-Kurse kommen? Dazu ein kurzer Rückblick:

1. Nach der Währungsreform waren die Montane zunächst die Lieblingskinder der Börse. Mit der von den Allierten angeordneten Zerschlagung der alten Montan-Konzerne mußten die bis dahin stillen Reserven offen gelegt werden. Da vor dem Kriege stark ^thesaupert worden war, ergaben sich ^öglidikeiten. Die Substanz günstige Um! kam ^damals zum Tragen