Eine Stunde dauert die Fahrt nach Südosten über Rosenheim oder Holzkirchen, dann tut sich dem Reisenden die anmutige Landschaft des Mangfalltales auf. Hier, 491 Meter hoch, liegt das älteste Moorbad Bayerns: Bad Aibling. Von hier blickt man auf die Tölzer Berge, die Salzburger Alpen und – in der Mitte gleichsam als Wahrzeichen des Ortes – den Wendelstein, östlich liegen die Felsenhänge des Wilden Kaiser.

Seit nun schon mehr als hundert Jahren genießt Bad Aibling einen Ruf als Moorbad. Der Arzt Dr. Desiderius Beck war es, der die Verwendbarkeit des oberbayrischen Moores für die medizinische Behandlung überhaupt erst erkannt und 1845 die erste Moorbadeanstalt gegründet hatte. Auf ihn geht der Bau des Ludwigsbades zurück, das die Urteile der jetzt vielen Aiblinger Morbadekuranstalten ist.

Jener Dr. Beck hat 1848 auch ein kleines Buch über die Anwendung des Moores und seine Behandlungsergebnisse verfaßt. Seine Moor-Therapie hatte solchen Erfolg, daß der Patient, wie er schreibt, "ohne Beeinträchtigung seines Wohlbefindens Bier und Wein wieder mäßig genießen und an den Orten, wo Taback geraucht wird, verweilen kann". Das balneologische Institut in München hat die Wirkungen des Moores längst genau erforscht, und bestätigt. Das Moor wird im Aiblinger Hochmoor gestochen, das hier durch die Wandlung der Erdoberfläche entstanden ist, nämlich nach dem Abfließen jener Seen, die sich beim Rückzug der Gletscher gebildet hatten. Es ist zwar arm an Mineralien, jedoch reich an organischen Substanzen wie der Huminsäure. Das ist für die Anwendung auf den Menschen von großer Bedeutung.

Das Moor – für ein Bad sind etwa zweieinhalb Zentner vonnöten – wirkt über die Drüsen, vor allem über den Hirnanhang, und setzt eine Regulationsmechanik in Bewegung. Angewandt wird es bei allen Arten rheumatischer Erkrankungen des Gewebes, der Muskeln und der Gelenke, aber auch bei Frauenleiden und nicht zuletzt bei Unfruchtbarkeit. Neueren Untersuchungen zufolge sollen in einer sterilen Ehe auch dem Mann solche Kuren helfen.

Bemerkenswert sind in Aibling auch die Einrichtungen für die Behandlung urologischer Leiden. Hier werden, folgt man den Angaben der Ärzte, außerordentliche Behandlungserfolge erzielt. Der bayrische Kurort, der seinen familiären Charakter bewahren will, hat im vergangenen Jahr 11 800 Gäste zu Besuch gehabt. 1300 Betten stehen zur Verfügung. Kurhaus und Kurgarten sollen, damit auch künftig niemand enttäuscht werde, vergrößert werden. Richard Kühn

Im Hochschwarzwald haben die Kurgemeinden in der Kurverwaltung Titisee (Tel. 8346, Amt Neustadt, Schwarzwald) eine gemeinsame Meldezentrale eingerichtet, in der alle freien Zimmer des Gebietes registriert sind.