Der Zweite Weltkrieg hat mit seinen Schrecken die Erinnerungen an den ersten vollkommen überdeckt. Wer erinnert sich heute noch daran, daß von den 2,1 Millionen Kriegsgefangenen in Sibirien 700 000 starben, also jeder dritte nicht nach Hause kam? Damals gab es eine Schwedin, eine großartige Frau, die fünf Jahre lang von Lager zu Lager fuhr, die russischen Ärzte mahnte und den Gefangenen Mut zusprach: Elsa Brandström, von deren Namen noch heute ein Leuchten ausgeht für jeden, der ihr einmal begegnet ist.

Ihr ist in Hamburg ein Denkmal ganz nach ihrem Herzen gesetzt worden: Die Elsa-Brandström-Stiftung, die eben ihr 10jähriges Bestehen feierte. In den beiden großen Häusern an der Kösterbergstraße oberhalb der Elbe, die die Familie Warburg für diesen Zweck zur Verfügung gestellt und eingerichtet hat, herrscht seit 10 Jahren der Geist Elsa Brandströms. 60 Mütter erholen sich dort jeweils drei Wochen, genießen ärztliche Pflege und wandern durch den alten Park.

Viele Notleidende fanden hier Zuflucht, ungarische Studenten und Ostzonenflüchtlinge. Zur Zeit werden 34 junge Mädchen, die eben die Schule verlassen haben, geistig und technisch auf einen sozialen Beruf vorbereitet. Und da glücklicherweise auch das Gute fortzeugend Gutes muß gebären, ist inzwischen dank Tatkraft und Opferbereitschaft aller Beteiligten auch noch ein Studentenheim entstanden, in dem 68 Studenten wohnen, von denen die Hälfte aus der Ostzone kommt.