Weltweite Reiseziele künden dieReiseagenturen an, und wer etwa 5000 Mark lose herumliegen hat, braucht nicht länger zu zögern. Wir wünschen ihm viel Glück. Auch er ist nicht vergessen worden von den Männern, die sich den Auftrag erteilt haben, Reisen auszudenken, zusammenzustellen, zu arrangieren, zu organisieren. Sie bieten mehr und mehr Pauschal-Weltreisen von der Stange, "alles inbegriffen", an. Es kostet weit weniger, als wenn man sich allein und unberaten anschickt, die Welt zu umrunden, um eins der letzten großen Abenteuer zu bestehen. Allerdings, der Weg ist vorgeschrieben.

Der Oktober scheint ein guter Monat zu sein. Da, starten drei ADAC-Fernflugreisen. "Urlaub vom Gaspedal" heißt die neue Parole, die Automobilklubleute sich merken müssen. Nach Japan, Ostasien am 15. Oktober (nur noch wenige Plätze frei). 30 Tage. Mindestpreis 5450 Mark. (Ein Hin- und Rückflug mit dem Linienflugzeug, Touristenklasse, via Nordpol kostet allein 5442 Mark.) Nach Brasilien am 1. Oktober. 18 Tage. Mindestpreis 3650 Mark; nach Nordamerika mit Jet. 17 Tage. Start: 2. und 16. Oktober. 2775 Mark.

Aber man kann auch eine "Fotosafari" in das von dem Frankfurter Zoodirektor Dr. Grzimek populär gemachte afrikanische Tierparadies Serengeti wählen (14 Tage 2475 Mark) oder Indien, Nepal, Pakistan-Ceylon (24 Tage, mit Jet 3870 Mark). Auch auf Japanflüge zur Kirschblüte 1961 wird schon jetzt vorsorglich aufmerksam gemacht. Polarflüge nach Tokio können in Anchorage unterbrochen werden. Alaska: Elche, Eis und wenig Menschen. Wer 7750 Mark parat hat, der kann, schon am 11. März 1961 an einem Sonderflug um die Erde teilnehmen. Dauer: 44 Tage.

Andere Büros dagegen halten sich an die von Jules Verne errechnete Zeit, doch was bei ihm Sensation war, verspricht heute besonders geruhsam zu sein. "Rund um die Welt in 80 Tagen. Zu Schiff. Unter akademischer Führung" zum Beispiel. Am 8. September ab London: Australien, Neuseeland, die Fidschi-Inseln, Tahiti – Curacao, Trinidad heißen die Traumziele. Nicht inbegriffen in den Preis sind Landausflüge, Trinkgelder. Den Jahreswechsel in Indien verleben heißt eine andere Parole. Ein Flug vom 23. Dezember 1960 bis 8. Januar 1961 zählt bekanntere Ziele auf: Karachi, Bombay, Delhi, Benares, Madras, Beirut, aber zunächst auch unaussprechliche: Bhuvaneshwar und Mahabalipuram. Nach der Reise, wenn die Ausflügler mit dem stolzen Bewußtsein wiederkommen, nun zu wissen, welche Sehenswürdigkeiten von hohem, künstlerischem Wert sich darin verbergen, lesen sie’s hoffentlich spielend. Preis 2970 Mark. Dieselbe Agentur lädt vom 14. Oktober bis zum 10. November zum Fernost-Sonderflug mit achttägigem Aufenthalt in Japan ein. 4980 Mark, und ebenfalls zum Jahreswechsel vom 27. Dezember bis 17. Januar 1961 auf die Antillen und nach Mexiko, nach Trinidad nicht nur, nach Caracas und Mexiko City, sondern auch nach Chichicastenango. Nie gehört? Der Ort steht nicht im Atlas? Aber bitte, das ist eine Gebirgsstadt in Guatemala, wohin die Touristen eigens fahren, umden Markttag der Indios mitzuerleben.

Nach Teneriffa oder Ägypten (Kairo, Luxor, Assuan) oder gar Griechenland–Türkei ist es da nur ein Katzensprung. Unzählige Angebote liegen vor. Die drei, die wir hier herausgreifen, sind mit 1190, 1590 und 1168 Mark (4 Tage Istanbul, 4 Tage klassische Griechenlandtour) aufgeführt.

Selbst China, das seine eigenen Leute hinter der großen Mauer und dem Bambusvorhang einsperrt und nur ausgewählte politische Delegationen herausläßt, ist zur Besichtigung für Touristen freigegeben. Die Trans-Sibirien-Eisenbahn fährt noch, obwohl es wahrscheinlich selten vorkommt, daß jemand von der westlichen Welt sie benutzt (14 Tage von Hamburg bis Peking). Beim Niederschreiben der Kilometerzahl stockt mir fast die Schreibmaschine: 10 300 km. In der Eisenbahn! Und es gibt regelmäßige Flüge via Moskau. Allerdings dauert so ein Visumantrag eine Weile, und die Preise sind ganz schön gesalzen: Für 23 Tage Bundesrepublik – Hongkong – Kanton – Hangtschau – Schanghai – Suchau – Wusih – Nanking – Peking – Moskau – Bundesrepublik ab 7765 Mark. Von Hongkong aus kann man fünftägige Ausflüge nach Kanton machen. Schon für 395 Mark. Als ich im vergangenen Jahr dort war, erfuhr ich, daß die Hongkonger – Journalisten ausgenommen – leicht ein Besuchsvisum für die Hauptstadt der südchinesischen Provinz erhalten, jedoch müssen auch sie gewöhnlich drei Monate darauf warten. Alles ist in Verbindung mit westdeutschen Reiseunternehmen durch die chinesische Ausgabe von lntourist geregelt.

Auch in das Innere Rußlands sind kostspielige Reisen an weltberühmte Plätze auf festgelegten Routen möglich. So wird "der Goldene Weg" nach Samarkand. offeriert. Eine 23-Tage-Ferienreise, in die Moskau, Taschkent, Tiflis und Sotschi (am Schwarzen Meer) inbegriffen ist. Das Programm erlaubt einen Fünf-Tage-Aufenthalt in Moskau und fünf in Innerasien mit Ausflügen vonTaschkent nach Samarkand für rund 3000 Mark.

Ein letzter Ferien Vorschlag, der ohne Zweifel auch ziemlich teuer ist, aber verführerisch mit 350 Mark Anzahlung wirbt: nach Südafrika. Den Flug dorthin kann man heute schon auf Teilzahlung erhalten. Also: wenn bei uns der Winter einzieht, auf nach Südafrika, in den Sommer. E. M.