pk Hannover

Die Beamten im allgemeinen haben es schon nicht einfach. Die niedersächsischen Beamten aber haben es wohl besonders schwer, jedenfalls in einem bestimmten Punkt. Dieser Punkt ist der Paragraph 89 des insgesamt 266 Paragraphen umfassenden neuen Landesbeamtengesetzes. Das Gesetz tritt am 1. September in Kraft und bestimmt im Paragraphen 89 unter anderem: "Der Beamte führt im Dienst die Amtsbezeichnung des ihm übertragenen Amtes; er darf sie auch außerhalb des Dienstes führen. Er hat jedoch keinen Anspruch darauf, mit der Amtsbezeichnung angesprochen zu werden..."

Um diesen Paragraphen hat es im Landtag zu Hannover lebhafte Debatten gegeben. Hie Titelträger, da Titellose, hie Titelfreunde, da Titelverächter. Die Autoren und Befürworter des Paragraphen priesen den Fortschritt, der nun endlich erreicht sei. Der teutschen Titelsucht mitten ins Herz! Die Gegner fürchteten um die Disziplin im Staatsapparat und sahen der Zügellosigkeit Tür und Tor geöffnet. Schweigsam verhielt sich die Regierung, in deren ursprünglicher Gesetzesvorlage der Anti-Titel-Paragraph nicht gestanden hatte. Sie hatte gut schweigen, denn der Anspruch auf den Titel, der jetzt verneint wurde, war schon in den bisherigen Gesetzen nicht verbürgt. Der neue Passus stellt also nur noch einmal ausdrücklich fest, was auch vorher schon galt: der Beamte hat keinen Anspruch, mit seinem Titel angeredet zu werden.

Was für ein Sturm, was für ein Streit! Da wurde mit geistesgeschichtlichem und staatsbürgerlichem Geschütz geschossen und an den Säulen unserer Kultur gerüttelt. Und alles das für einen Titel, für ein Problem, das eigentlich gar keines ist oder zumindest keines sein sollte. Ein Vorgesetzter, der seine Autorität allein aus seinem Titel herleiten muß, hat sowieso als Vorgesetzter nichts zu melden. Im übrigen ist manches eine Frage des Takts, und der läßt sich sowieso nicht reglementieren,

Es gibt da eine hübsche Anekdote, eine militärische, aus jener Zeit, in der die Generale noch mit "Exzellenz" anzureden waren. Ein Reporter suchte einen solchen General auf. Im Eifer des Interviews rückte er ihm immer näher auf den Leib. Hatte er zuerst "Exzellenz" gesagt, ging er bald zu "lieber Herr General" und dann zu "lieber Herr von XY" über. Da beugte sich der General vertraulich vor – sein Monokel mag dabei gefunkelt haben –: "Und mit Vornamen heiße ich Emil!"