DIE ZEIT

Die schwarze Herrschaft

Vor ein paar Tagen besuchte ein südafrikanischer Großindustrieller unsere Redaktion. Sein Kommentar zu den Ereignissen im Kongo: „Nun wird es den Leuten außerhalb Afrikas wohl endlich wie Schuppen von den Augen fallen.

Falsche Adresse

Die Generalität der Bundeswehr – etwa 120 Generäle und Admirale an der Zahl – hat bei der Opposition in Bonn einen Entrüstungssturm hervorgerufen und bei den Bündnispartnern an der Themse verärgertes Stirnrunzeln.

Italien wird wieder aktiv

Nach der innenpolitischen Krise von Ende Februar bis Ende Juli, während der Italien eine Statistenrolle auf der europäischen Bühne spielen mußte, hat es sich jetzt sehr aktiv in die Erwägungen über eine Neuordnung der westlichen Zusammenarbeit eingeschaltet.

Paris wußte nichts davon

Der größte Schaden, den der Mali-Krach anrichtete und noch anrichten kann, wird Paris treffen. Zum erstenmal wurde die von General de Gaulle ins Leben gerufene französisch-afrikanische Gemeinschaft einer Belastungsprobe unterworfen.

Wie katholisch ist Spanien?

Der Zivilgouverneur von Barcelona, Señor Acedo, dessen Amtstitel man am besten mit "Gauleiter" übersetzt, hat sich kürzlich über die "geheiligte Einheit zwischen Staat und Kirche" so geäußert: "Auf dieser Einheit beruht die Stärke des spanischen Staates, der sich streng katholisch nennt.

Art Buchvald:: Echte Frauen wählen nicht!

Die Gründung unserer neuen Partei gehört zu den epochemachenden Ereignissen der amerikanischen Politik. Sie wurde ins Leben gerufen, weil wir entdeckt hatten, daß die amerikanische Frau – inmitten all ihres materiellen Komforts – mit ihrem Los unzufrieden ist.

Zeitspiegel

„Es kann durchaus in Deutschland wieder der Wunsch nach jener Macht entstehen, die unter den Nazis sichtbar wurde. Deshalb hoffe ich, daß wir ein Wachsen der militärischen Macht der Bundesrepublik Deutschland nie wieder zulassen.

Astro- oder Kosmonaut?

Der Weltraumflug ist das Vorrecht der mächtigen Nationen dieser Erde. Niemals wurde dies deutlicher als in den letzten 14 Tagen.

Elsa Brandström

Der Zweite Weltkrieg hat mit seinen Schrecken die Erinnerungen an den ersten vollkommen überdeckt. Wer erinnert sich heute noch daran, daß von den 2,1 Millionen Kriegsgefangenen in Sibirien 700 000 starben, also jeder dritte nicht nach Hause kam? Damals gab es eine Schwedin, eine großartige Frau, die fünf Jahre lang von Lager zu Lager fuhr, die russischen Ärzte mahnte und den Gefangenen Mut zusprach: Elsa Brandström, von deren Namen noch heute ein Leuchten ausgeht für jeden, der ihr einmal begegnet ist.

Ach, daß wir ein Spielstaat sind ...

Winfried Martini ist mißtrauisch. Die innen- und außenpolitische Stabilität der Bundesrepublik ist für ihn nichts als ein schöner Schein, die trügerische Ruhe verdeckt nur die Schwächen unseres Staates.

De Gaulle unter Zeitdruck

Der jüngste und nunmehr feste Entschluß der algerischen Exilregierung, das Algerienproblem Zu internationalisieren, ist ein „Versuchsballon“, der nicht von selbst wieder platzen wird.

Hessen: Parken vorm Goethehaus

Die Frankfurter Stadtväter sind enttäuscht darüber, wie wenig Interesse Touristen und Bürger in neuerer Zeit den Museen entgegenbringen, die da täglich von 9 bis 18 Uhr für eine Mark Eintritt oder auch weniger ihre Tore offenhalten.

Die Unentbehrlichen

Das steht an der Ladentür eines Milchgeschäfts, das ich nur aufsuchen kann, wenn ich viel Zeit habe.JDie Dame, deren Glieder müde sind, begleitet einen Liter Milch mit durchschnittlich fünf Minuten Unterhaltung.

Baden-Württemberg: Nur frisch, nur frisch gesungen

Der Weinort Schnait im Remstal, eine halbe Autostunde von Stuttgart, ist für die Schwaben eine Art Wallfahrtsort. Nicht nur, weil dort auf 140 Hektar in den Lagen Altenberg, Sonnenberg, Halde und Sandmorgen ein vortrefflicher Wein wächst – welcher Schwabe könnte der Ankündigung „Neuer Wein mit Zwiebelkuchen“ widerstehen – sondern auch deshalb, weil hier ein Schulmeister namens Friedrich Silcher geboren wurde.

Mark Brandenburg: Eine Reise in die Vergangenheit

Eine Nachmittagsfahrt von Berlin nach Potsdam, dort auf der Terrasse des Palast-Hotels sitzen und beim Kaffee nachdenklich auf die Havel und die Freundschaftsinsel blicken oder im berühmten Klosterkeller sich erlesenen Gaumengenüssen hingeben – einst war es etwas Alltägliches.

Mecklenburg: Auf literarischem Schleichweg

In der mecklenburgischen Hafenstadt Rostock wurde der ehrwürdige Hinstorff-Verlag, der sich in früheren Zeiten durch die Herausgabe juristischer und theologischer Schriften einen guten Namen gemacht hatte, verstaatlicht und in eine Agitationszentrale für die Skandinavien-Politik Ostberlins verwandelt.

Zeit der Altvorderen

Die Väter unserer Philologie waren nicht auf Rosen gebettet. Noch war’s nicht die Zahl der Studenten (in Göttingen studierten insgesamt 900), die sie bedrängte: Jacob und Wilhelm Grimm mußten kreuz und quer durch Europa reisen, um ihrer Quellen habhaft zu werden; mußten in rauchigen Gasthöfen absteigen, um alte Manuskripte im Kerzenlicht zu kopieren; mußten sich gegen reizbare Bibliotheksdirektoren zur Wehr setzen, die über Tintenflecke auf entlehnten Bänden zeterten.

Die Dame des Soldaten

Immer wieder entzückt es, auf eine im Kern unbeschädigte Literatur zu blicken wie die italienische. Der Prozeß der Entindividualisierung blieb hier im buchstäblichen Sinne gegenstandslos: der lateinische Individualismus erwies sich als stärker.

Wer oder was ist „Feuilletonismus“?

Ich bin kein seriöser Mensch, das weiß ich längst, und wenn ich es nicht wüßte, hätten es mir die anderen Leute gesagt, nur nicht so unverblümt, denn sie sind feine Leute und gebildete Leute, die sich in verallgemeinerten Andeutungen ergehen, daß unsereiner Witze über die tiefsten Dinge macht, den nötigen Ernst vermissen läßt und wahrscheinlich das Klassenziel nicht erreichen wird.

Astrologischer Unfug

Kurpfuscher haben es heutzutage nicht leicht. Die ihrerseits oft nahezu abergläubische Ergebenheit, mit welcher der Zeitgenosse jedwedes wissenschaftliche Ergebnis als der Weisheit letzten Schluß hinnimmt, stellt für den Quacksalber als Aftermieter der Wissenschaft ein beträchtliches Handikap dar.

Fröhliche schöne neue Welt

Aldous Huxley, dessen düstere Zukunftsvisionen eine ganze Welt beunruhigt haben, ist dabei, ein – fröhliches Buch zu schreiben.

Was geht uns das Obszöne an?

Der Artikel „Das Obszöne in der Literatur und außerhalb“ von Professor Ludwig Marcuse (in der ZEIT Nr. 34) hat etwa gleich viel Zustimmung und Ablehnung gefunden.

Zeitmosaik

Eine große amerikanische Zeitschrift soll die „Erinnerungen“ der Eltern des am 19. August im Moskauer Schauprozeß wegen Spionage zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilten Piloten Francis Powers gekauft haben.

Geheimnisvolle Jugend

Wenn ich an unsere Jugend denke, werde ich ganz nervös, und ich verbringe ihretwegen schlaflose Nächte. Offenbar habe ich an zu vielen Diskussionen über Probleme unserer heutigen Jugend teilgenommen, zuviel in Zeitungen darüber gelesen und am Radio gehört, bin ich zu oft vom Fernsehen damit vertraut gemacht worden.

Gottfried Benn (1886 – 1956):: Dir auch

Es ist nur zum Teil eine literarische Reminiszenz. Berlin 1930: Den ersten Hinweis gab P. H., ein schon etwas ausgedienter Kritiker, nach der Hierarchie seiner Redaktion dritte Garnitur (Dichterlesungen, Volkstheater), Hinterhausbohemien aus Moabit.

Was sich ändern ließe

Das akademische Leben der erstsemestrigen Studenten ist an den meisten britischen Universitäten sehr viel strenger organisiert als in Deutschland.

Über das Studium in Deutschland

Die Veröffentlichungen der ZEIT darüber, wie man in Deutschland Germanistik, Medizin, Chemie studiert, haben einiges Aufsehen erregt.

Casals ist müde

Zum letzten Male sollte Pablo Casals das doppelte Amt des Dirigenten und des Solisten auf dem Zehnten Musikfestival des Pyrenäenortes Prades ausüben.

Wohin der Geist weht

Je weniger die Politik von geistigen, kulturbildenden Erwägungen bestimmt wird – und das bedeutet, daß die kulturelle, die musische Substanz schwindet zugunsten der geschäftlichen Bestimmung unseres Lebens – um so unerheblicher und wirkungsloser wird unsere Literatur.

Deutsche Olympiamannschaft

Die Deutsche Bundesrepublik und das Kaiserreich Japan wurden in den internationalen Amateur-Leichtathletik-Verband wieder aufgenommen und können somit an den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki teilnehmen.

Zeitraffer

Die Teilzahlungskäufe in der Bundesrepublik haben wieder erheblich zugenommen. Die von Banken gewährten Teilzahlungskredite sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 337,4 Mill.

Angriff auf das Gruselkabinett

Die französische Regierung wird in den nächsten Wochen einen neuen Versuch unternehmen, um die französische Wirtschaft von gewissen strukturellen Übeln, unter denen sie seit Jahrzehnten leidet, zu kurieren.

Italiens fröhliche Hochkonjunktur

Die neue italienische Regierung des christlichdemokratischen Abgeordneten Fanfani will nicht nur die kommunistische Wühlarbeit energisch unterbinden, sondern auch die rote Flut, die das Land bedrängt, durch sozialpolitische Maßnahmen eindämmen.

Der Bergbau benötigt Lock-Löhne

In diesen Tagen sitzen die Sozialpartner des westdeutschen Steinkohlenbergbaus am Verhandlungstisch, um über die Lohnforderung der Industrie-Gewerkschaft Bergbau und Energie zu beraten.

Unterbelichteter Ufa-Film

Als die Aktionäre der beiden Ufa-Gesellschaften Ende Juli in Berlin tagten, um auf der Hauptversammlung die Verlustabschlüsse des Konzerns zu genehmigen, lagen ihnen die Geschäftsberichte über das letzte Jahr vor.

Abkehr vom Mittelalter

Das Abkommen, das die Beauftragten des „Währungsgebiets der DM-Ost“ und des „Währungsgebiets der DM-West“ kürzlich in Berlin unterzeichnet haben, stellt den Interzonenhandel weitgehend auf eine neue Grundlage.

Für die Privatisierung reif!

Noch steht es nicht fest, wann die im Bundesbesitz befindliche Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG (Viag) die Reise in die Privatisierung antreten wird.

Deutschland für Amerikaner

Einige Ratschläge für USA-Touristen – und nicht nur für sie – Leicht vergessene Spezialitäten

Adria und Riviera

Im Spätsommer – September und Oktober – sind einige Sonderfahrten zu Pauschalpreisen angekündigt. Sie führen an die italienische Riviera und an die Adria.

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