Die Pariser Börse hat die Ferienperiode, die gemäß der Tradition in der zweiten Augusthälfte zu Ende geht, allem politischen Druck zum Trotz in sehr widerstandsfähiger Haltung beendet. Das Geschäft ist wohl geringer geworden – die Kurse haben sich im Durchschnitt kaum geändert, was aber nicht verhinderte, daß in einigen Werten neue Höchstpreise erreicht werden konnten. Zu ihnen gehören die führenden Chemiewerke und Michelin. Für den Herbst werden viele Kapitalerhöhungen erwartet.

Die Börse gewinnt nun auch eine bessere Übersicht über die voraussichtlichen Ergebnisse dieses Jahres. Sie versprechen, von einigen Ausnahmen abgesehen, gute Gewinne. Nach amtlicher Feststellung hatte sich der durchschnittliche Auftragsbestand der Industrie vor Ferienbeginn auf 14,6 Wochen erhöht. Beschäftigungssorgen sindalso nicht vorhanden. Die Ernteaussichten werden als gut bezeichnet. Anfang September wird die industrielle Produktion im vollen Umfang wieder einsetzen. Die Börse scheint daher keine Ursache zu haben, der weiteren Entwicklung mit Pessimismus entgegenzusehen. Kapital ist reichlich. Die Ausgabe neuer festverzinslicher Werte und die Erhöhungen der Gesellschaftskapitalien dürften somit kaum auf Schwierigkeiten stoßen.

Auffallend waren auch in den letzten Wochen die hohen Umsätze in allen Regierungsanleihen. Die Börse glaubt, sie durch Vorbereitungen für eine neue Emission zu niedrigem Zinsfuß erklären zu können. Beschleunigt werden alle Auslandsschulden zurückbezahlt. Dies läßt auf die Absicht schließen, zur Konsolidierung der schwebenden inneren Schuld diesmal eine Anleiheform zu finden, an der auch das Ausland Interesse finden könnte. Retlew

*

Zum 75-jährigen Bestehen der Feldmühle Papier- und Zellstoffwerke AG (Düsseldorf) am 27. August hat der Vorstand beschlossen, einen namhaften Betrag zugunsten des wissenschaftlichen Nachwuchses zu stiften. Der Fonds ist zweckgebunden und wird vorwiegend der Technischen Hochschule Darmstadt zur Verfügung gestellt werden, die als einzige in der Bundesrepublik Diplomingenieure der Fachrichtung Papierfabrikation ausbildet. Die Feldmühle verzichtet darauf, das Firmenjubiläum festlich zu begehen und hat die Freunde des Hauses gebeten, von allen. Aufmerksamkeiten abzusehen und statt dessen eventuell den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zu bedenken.

Bei den Lech-Elektrizitätswerke AG, Augsburg, stieg die nutzbare Stromabgabe 1959 gegenüber dem Vorjahr um 8 (3,1) vH. Das Kraftwerk Feldheim, die letzte Staustufe der Rhein-Main-Donau AG. am unteren Lech wurde im Januar 1960 in Betrieb genommen und gibt die Erzeugung an die Lech-Werke ab. Laut HV-Beschluß wird für 1959 eine Dividende. von 13 (12) vH auf 40,53 Mill. DM Aktienkapital verteilt.