Die Veröffentlichungen der ZEIT darüber, wie man in Deutschland Germanistik, Medizin, Chemie studiert, haben einiges Aufsehen erregt. Wir gedenken, die Reihe fortzusetzen – langsam, ohne Überstürzung; denn es braucht Zeit, die richtigen Autoren zu finden; es braucht Zeit, die Artikel so nach allen Seiten hin zu überprüfen, daß dann nur der wenig feierliche Ton und die Ansichten des Autors, nicht jedoch die Tatsachen anfechtbar sind. Zuletzt hatten wir davon berichtet, „wie man in Deutschland Chemie studiert“ und dazu alle Einwände, die uns seitens deutscher Chemiker erreichten, abgedruckt. Aus der Flut der Zuschriften, die darauf wieder folgten, möchten wir abschließend noch drei, in gekürzter Form, veröffentlichen.

Von Professor Dr. Franz Schneider, Gonzaga Universität, Washington, USA

Ihre Hochschulserien – nicht nur die über Chemie, die übrigens in einem fabelhaft hyperbolischen Stil geschrieben war – werden hier mit dem größten Interesse gelesen. Die Höflichkeit verbietet es, sich in die internen Angelegenheiten der deutschen akademischen Gemeinde einzumischen. Aber um der Wahrheit willen muß festgestellt werden, daß sich an amerikanischen Hochschulen viele deutsche Studenten befinden, die gerade jener Mißstände wegen die deutsche Universität verließen, die Sie in Ihren Serien diskutierten.

An vielen Beispielen, die sich aus den Zuschriften zur Chemieserie beliebig vermehren lassen, sieht man eine Haltung, die man leider nur allzuoft in Akademikerkreisen findet, die aber letztlich die Grundlage einer demokratischen Gesellschaft untergraben hilft:

1. Man stellt den guten Willen, die Intelligenz und die moralische und berufliche Fähigkeit der Opposition grundsätzlich in Frage. Das geschieht mittels der Strohmannmethode, d. h. man bauscht eine fiktive Schwäche des Gegners auf, um mit ihr die Argumentation der Gegenseite zu zerstören, oder man konzentriert sich auf einen fiktiven Sündenbock;

2. Man benützt schamlos das argumentum ad hominem („vorehelicher Beischläfer“, „verkrachte Existenz“ usw.).