Ein Gauleifer klagt die Geistlichen an und ein Diktator die Bisehöfe

Von Josef Müller-Marein

Der Zivilgouverneur von Barcelona, Señor Acedo, dessen Amtstitel man am besten mit "Gauleiter" übersetzt, hat sich kürzlich über die "geheiligte Einheit zwischen Staat und Kirche" so geäußert: "Auf dieser Einheit beruht die Stärke des spanischen Staates, der sich streng katholisch nennt... Daraus erklärt sich auch, daß ein Mensch, der diese Einheit angreift, in gleichem Maße zum Verräter am Vaterland wie an der Kirche wird ... dies ist unsere Demokratie."

Kürzlich hat Fidel Castro, der kubanische Diktator, dies gesagt: "Wer eine heilige Revolution wie die unsrige angreift, verrät Christus und wäre fähig, ihn erneut ans Kreuz zu schlagen."

Acedo sprach vor den "alten Kämpfern" der "Blauen Division", jener Hilfstruppe, die Franco während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland gesandt hatte und die an der Ostfront eingesetzt war. Er sprach leidenschaftlich: "Der Feind – man muß es leider zugeben – existiert noch... Der Kampf gegen Spanien, den die Kommunistische Partei vom Ausland aus führt, hat leider die Unterstützung einiger sogenannter christlicher Demokraten, unter ihnen eine kleine Zahl von Priestern, die aus persönlicher Machtvollkommenheit handeln." Und Acedo schloß mit schweren Drohungen gegen die Kreise katholischer Intellektueller, deren Führer Dr. Jordi Pujol schließlich zu Gefängnis verurteilt wurde. Das Militärgericht warf diesem jungen Rechtsanwalt Separatismus vor, während er in einer Broschüre nur die Forderungen seiner katalonischen Landsleute auf Bewahrung ihrer eigenen Sprache und Kultur vertreten hatte. Dr. Pujol verteidigte sich mit Mut und Selbstbeherrschung, obwohl er gefoltert worden war: "Nein wir sind keine Separatisten. Es gibt keinen einzigen Satz in unserer Schrift, der so interpretiert werden könnte."

Er bat für den Drucker, dem er die Broschüre in Auftrag gegeben hatte, und der schließlich zu drei Jahren Gefängnis und zum Entzug seines Vermögens verurteilt wurde, und sagte: "Herr Pinzon mit seinen sechsundsechzig Jahren denkt wie ich. Und wie ich denkt ein großer Teil der Jugend. Diese Generation steigt auf: eine Jugend, die von christlichen Idealen geleitet wird und die, obwohl sie heute unpolitisch erscheint, doch Schritt für Schritt zum Gebiet sozialer und ökonomischer Überlegung gelangt, zum öffentlichen Leben, zum Feld der Politik." Worauf der Präsident des Militärgerichtshofes sagte: "Es ist hier nicht der Ort und der Augenblick, dies zu diskutieren." Und dann fielen hinter dem jungen Dr. Pujol und dem alten Pinzon die Zellentüren des Gefängnisses ins Schloß.

"Wir haben bisher geschwiegen"