Leserbrief von P. C. von Seidlein: „Alle Rechte für den Angeklagten“, ZEIT Nr. 33

Mit Empörung las ich in den Zeilen von Herrn von Seidlein, daß eine schwangere Frau dem Beruht des Professors Dahs zufolge mit einer Raubmörderin, einer Straßenräuberin und einer Rauschgifthändlerin im Untersuchungsgefängnis in eine Zelle gesperrt wurde.

Nerven- und gemütskranke Frauen, die in staatlichen Heil- und Pflegeanstalten untergebracht sind, werden von ihren Pflegerinnen geschlagen, wie ich es aus dem Mund von zwei glaubwürdigen Frauen weiß. Sie wurden selbst wiederholt geschlagen; sie haben auch die Mißhandlungen anderer Patientinnen mitangesehen. Es handelt sich um Heil- und Pflegeanstalten im Rheinland und in Bayern.

Ich bezweifle den Wahrheitsgehalt dieser Schilderungen nicht; habe ich doch während meines Aufenthalts in einem städtischen, vom Paritätischen Wohlfahrtsverband verwalteten Frauenheim für zweihundert sogenannte obdachlose Frauen, in das mich die Wohnungsnot gebracht hat, erfahren, daß Menschenwürde in derartigen Unterkünften sehr klein geschrieben wird. Allein das bis zu, sieben Jahre währende Gemeinschaftsschlafen in Vier-, Sechs- und Siebenbettzimmern ist eine Qual sowohl für die Frauen, die in anstrengender und verantwortlicher Berufsarbeit stehen als für die kränklichen, müden und verbrauchten. Gemäß dem Ausspruch einer Angestellten: „Das sind für mich alles Menschen zweiter Klasse!“ sind ehrbare Frauen Schikanen ausgesetzt. Einer schwerkranken Dame, die wegen einer Beinlähmung ins Krankenhaus mußte, wurde verwehrt, im Haus zu telephonieren; um das Sanitätsauto zu bestellen, mußte sich die Kranke zu dem weit entfernt liegenden Telephonhäuschen schleppen. Und in der Woche des Eucharistischen Weltkongresses, in der der französische Arbeiterpriester Abbé Pierre – gebeten vom „Dritten weltlichen Orden des Hl. Franziskus“ – in einer zündenden Ansprache aufforderte zur Verbindung „mit den Armen und allen anderen Menschen, die leiden“, wurde eine weißhaarige, sehr fleißige Oberschlesierin von der gleichen, sich „Schwester“ nennenden Angestellten einfach eingesperrt.

Abbé Pierre, dessen persönliche Hilfsbereitschaft in Paris bis zur Selbstaufopferung ging, sagte auf der Kanzel der Münchner St.-Anna-Kirche: „Der Christ darf sich nicht damit begnügen, nur als ‚Außenstehender‘ zu helfen, sondern er muß die Not des anderen in seinem Herzen mitleiden!“ – Die werdende Mutter in einer Gefängniszelle mit der Raubmörderin und Straßenräuberin, die geschlagenen Frauen in den Nerven- und Irrenanstalten, die Gedemütigten in den Massenquartieren wissen, wie wenig Christen es gibt. Johanna Gräfin Zech auf Neuhofen, München

J. M.-M.: „Die Admirals-Kate“, ZEIT Nr. 32

Wirklich wohltuend, daß die ZEIT bei dem neidischen Sensationsgeschrei, das ohne viel Logik erscholl, die Dinge wieder an die rechte Stelle gerückt hat... Es war doch tief bedauerlich, daß man Menschen, die auf ihre sichere zivile Laufbahn verzichtet haben, um ihren Anteil an dem Neuaufbau der Bundesrepublik beizutragen, zum Dank dafür in den Dreck zieht.

Wer den, Admiral Rogge kennt, seine Laufbahn, seine Persönlichkeit, kann sich nur darüber freuen, daß in der ZEIT seine Persönlichkeit und seine Leistung in besonders feiner Form gewürdigt wurde und daß der Kauf der „Admirals-Kate“ wieder zu dem gemacht wurde, was er ist: eine reine Privatangelegenheit, die niemanden etwas angeht. J. Friedrich Goldemann, Hamburg