Wie die Bundeswehr vor Spionen geschützt wird

Von Heinz Michaels

An der Tür steht einfach: Der Leiter. Name oder Dienstgrad werden auch an den vielen anderen Türen dieses nüchternen Kasernenkorridors verschwiegen. Der Leiter aber ist ein mittelgroßer Herr in feingestreiftem mittelgrauem Anzug, grauen Schuhen und einer breitgestreiften Krawatte. Der Leiter, das ist der Mann, der für die Sicherheit der Bundeswehr verantwortlich ist.

Hinter dem unauffälligen bürgerlichen Habitus verbirgt sich ein Oberst. Und seine bayerisch-umgängige Art zu plaudern mag wohl die Energie überdecken, mit der das ihm obliegende Geschäft betrieben werden muß. Welches Geschäft?: „Wir sind verantwortlich für die Abwehr von Spionage, Sabotage und Zersetzung in der Bundeswehr.“ Man hat, als der Dienst vor vier Jahren aufgebaut wurde, den Namen „Abwehr“ vermieden. „Die Bezeichnung würde zwar den Kern unserer Arbeit treffen, doch ist der Name aus der Vergangenheit zu sehr belastet. Die alte Abwehr unter Canaris hat ja auch aktive Spionage betrieben, und das tun wir nicht.“

50 Spione pro Monat

Es mögen zwischen 1000 und 2000 Mann sein, die dafür zu sorgen haben, daß die Bundeswehr von Landesverrätern frei bleibt. „Eine kleine Gruppe, aber wir haben eine große Hilfstruppe“, sagt der Leiter. „400 000 V-Leute (wie im Geheimdienstjargon die Informanten genannt werden), unbezahlte sogar, denn sie sind sozusagen dienstlich dazu verpflichtet: die Soldaten und Angestellten der Bundeswehr.“ Tatsächlich werden die meisten Fälle von Bundeswehrangehörigen an den MAD, den „Militärischen Abschirmdienst“, herangetragen.

„Wir haben es nicht mit großen Spionen zu tun. Es werden keine Panzerschränke mehr geknackt, und es gibt auch keine Spioninnen vom Range der Mata Hari. Es geht heute meist um kleinen Dreck.“ Er sagt „kleiner Dreck“ und meint damit nicht nur, daß Landesverrat ein schmutziges Gewerbe ist, er will sagen, daß es kleine Wichte sind, die im Netz des MAD hängen bleiben, immerhin aber etwa 50 im Monat. Auch die Informationen, die sie weitergegeben haben, sind im einzelnen oft nicht von Belang. Aber die Masse macht’s.