Mehr Liebhaber für Goldmünzen

In „Mehr Liebhaber für Goldmünzen“ (5. August 1960) ist mit Recht der Besitz von Gold als eine der konservativsten Vermögensanlagen bezeichnet. Allerdings erscheint mir, um einen modernen Ausdruck zu benutzen, der potentielle Wert der Goldmünzen immer mehr eingeschränkt. Als man die Goldmünze als Sicherung des Lebensunterhalts in fernen Ländern lehrte, war der Travellerscheck noch unbekannt. Heute hat er sich längst überall durchgesetzt. Dieser Scheck, der unbegreiflicherweise von kriegführenden Ländern noch nicht nachgemacht wurde, wie dies nicht nur bei den Pfundnoten geschah, kostet beim Erwerb kein Aufgeld, ist mindestens so leicht bei sich zu führen wie Goldmünzen, läßt sich vielleicht sogar besser verbergen, wenn Devisenverbote die Mitnahme sowohl von fremdem Geld wie Travellerschecks verbieten.

Die sogenannte Sicherung durch Kauf von Goldmünzen beschränkt sich heute wohl nur für den heimischen Besitz, wofern man nicht auch deren Ablieferung von Gesetzes wegen anordnet; der Besitz damit illegal wird. Das gilt in erster Linie für ausländische Goldmünzen, die man stets zu den ablieferungspflichtigen Devisen zählt. Die Reichsbank gab daraufhin für das 20-Dollarsfück während der Hitlerzeit volle 48 RM (heutiger Börsenmittelwert 163,50 DM! – So sah die Sicherung aus).

Überhaupt ist es mit ausländischen Goldmünzen eine eigene Sache. Sie werden nicht in allen Ländern gleich hoch bewertet. So wurde beispielsweise in Uruguay eine Zeitlang das 20-Dollarstück bis zu 60 Dollar gehandelt, während sie in den Vereinigten Staaten ungefähr 40 bis 45 Dollar kostet. Daß Goldmünzen des eignen Staates regelmäßig höher gehandelt werden, hängt wohl noch von anderen Faktoren ab – ähnlich wie beim Sammeln von Briefmarken. Aber in allen Fällen sollte man das Agio gegenüber der Goldparität nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Soweit es sich um kleine Beträge handelt, mag das angehen, nicht aber, wenn es sich um Kapitalanlagen handelt. In früheren Zeiten ging der Rat dahin, ein Fünftel in Gold anzulegen, wobei es damals noch nichts ausmachte, ob in Barren oder Münzen, denn die letzteren übten noch wirklich ihre Funktion als „Währungsgeld“ aus. Wer heute für Zeiten der Flucht oder des Kriegsüberfalls auch nur 5 kg Gold mit sich nehmen wollte, würde damit seine Schwierigkeit haben, einmal bei der Landeskontrolle, sodann aber auch bei der Fluggesellschaft. Selbst gegen Bezahlung der Überfracht könnte der Besitzer nicht die Mitnahme in Notzeiten erreichen, selbst unterstellt, daß er das Gold noch rechtzeitig aus seinem Versteck herausholen könnte. Aufbewahrung aber in andern Ländern beschwört andere Gefahren herauf: Beschlagnahme oder Unterbindung des Verkehrs. Und das noch gegen die zusätzlichen Kosten für die Aufbewahrung oder den Treuhänder.

So gesehen zeigt sich die Begrenztheit des Werts eines Erwerbs von Goldmünzen, ja letzten Endes auch von Goldbarren. Dr. Alfred Karger, Quito.