Von Georg Kollreuther

Die UFA-Gründungsidee wird dem General Ludendorff zugeschrieben. Nach dem Beispiel der Alliierten sollte der deutsche Film in den Dienst der Kriegspropaganda gestellt werden. (Heute nennt man das psychologische Kriegsführung.) So entstand im Dezember 1917 die Universum Film AG, die UFA, ein Konzern, der den deutschen Besitz der Nordischen Film Co. und des Pund-Verleihs übernahm, ferner den Messner-Konzern, einen erheblichen Teil der Aktien der Projektion AG Union und die von Winterfeldsche Bank für Grundbesitz und Handel in Berlin. Um die Regierung nicht in den Vordergrund treten zu lassen, wurden Finanzierung und Leitung der UFA einem Konsortium übertragen, in dem die Deutsche Bank die Führung übernahm. Diese Führung hat sie bis heute, über alle Wirren, nicht abgegeben, eine Führung, die ihr finanziell nichts, auch gar nichts einbrachte – es sei denn, man beurteilte Verluste positiv.

Der Leidensweg für die tonangebende Bank in Sachen UFA begann schon kurz nach Kriegsende 1918. Der Filmkonzern mußte nämlich 8 Millionen Mark Sonderabschreibungen vornehmen, so daß die bis dahin erzielten Gewinne von etwa 4 Mill. Mark aufgezehrt waren. Dann brachte die Inflationszeit eine kurze Blüte. Die Dividenden der UFA lagen 1921/1922 bei 30 vH, 1922/1923 bei 700 vH. Aber auch nach der Stabilisierung der Mark konnten noch zwei Jahre lang immerhin 6 vH Dividende gezahlt werden.

Dann aber zeigte sich erneut, daß Filmkunst und Finanzen selten eine gute Ehe führen. Das Interesse am Stummfilm ließ nach. Die Produktion aber wurde teurer. Bei der UFA begann man aufwendig zu wirtschaften. Die Folge war eine Krise in den Jahren 1925/1926. Der Konzern mußte saniert werden. Das Kapital wurde von 45 Mill. auf 15 Mill. RM zusammengelegt. Dabei verlor die Deutsche Bank die Majorität. Durch Hinzutreten neuer Aktionäre wurde das zusammengeschnittene Kapital wieder auf 45 Mill. RM herauf gebracht, Von den neuen Mitteln übernahm der Hugenberg-Konzern die Hälfte, also 15 Millionen RM. Von den restlichen 15 Mill. RM übernahm die Deutsche Bank erneut 8 Mill., während sich die verbleibenden 7 Mill. ein Düsseldorfer Handelsunternehmen und die Großchemie teilten.

Mit dem Verlust durch Kapitalzusammenlegung und dem Neuaufwand von 8 Mill. hatte es bei der Deutschen Bank aber nicht sein Bewenden. Sie mußte noch auf ausstehende Forderungen an Zinsen, Provisionen usw. von rund 6,25 Mill. RM verzichten. Den Ausgleich sollten Genußscheine in Höhe von 11,25 Mill. RM schaffen, an denen der Anspruch auf den verbleibenden halben Reingewinn nach einer Ausschüttung von 6 vH Dividende bei der UFA haftete. Eine solche Ausschüttung ist aber niemals vorgenommen worden.

In den folgenden 10 Jahren konnte die UFA zwar laufend kleinere Reingewinne erwirtschaften. Es reichte aber nur in 3 Jahren zu kleinen Dividendenausschüttungen Verluste in der Filmproduktion konnten in anderen Jahren durch außerordentliche Betriebsgewinne wettgemacht werden. Mit der Zeit verstärkte sich der politische Einfluß. Der Hugenberg-Konzern verkaufte den Mehrheitsanteil an ungenannte Käufer. Wer in damaligen Zeitungen blättert, wird feststellen, daß die Mehrheit wieder an die Deutsche Bank ging.

Im Krieg hatte die UFA wieder höhere Gewinne. Sie dienten allerdings der Auspolsterung der Rücklagen und der Dotierung des Pensionsfonds. Dann kam 1943 die Zwangsenteignung, die Uberführung in Reichseigentum.