r. g., Stuttgart

Gartenzwerge und deren Schirmherren werden gewarnt; nächtliche Diebstähle von Gartenzwergen stehen auf der Tagesordnung. Gartenzwerg sein, heißt gefährlich leben. Kein Zwerg ist mehr davor sicher, daß ihm nicht das Zwerg-Fell über die Ohren gezogen wird. Kein Blumenbeet und kein Rasen sind mehr davor gefeit, daß ihre friedliebende Bevölkerung ausgerottet wird. Es häufen sich die Fälle, daß ganze Zwergfamilien entführt werden. Aus Heidenheim an der Brenz und aus Tübingen ist bekanntgeworden, daß innerhalb von vierzehn Tagen Dutzende von Gartenzwergen geraubt worden sind.

Wer aber stört die Idylle mit roher Hand? Sind es wieder die irregeleiteten Geschmacksfanatiker, denen die Tabakspfeife im Mund unserer behaglich schmauchenden Zwergenväter ein Dorn im Auge ist?

Die hoffnungsvolle Renaissance in unseren Gärten ist in Gefahr, restaurativen Kreisen zum Opfer zu fallen. In der Zeit des Konformismus, da der Geschmack keimfrei von der Stange der Architektenbüros und Designer-Ateliers geliefert wird, sind Gartenzwerge das letzte Reservat innerer und äußerer Freiheit, ein Zeichen des Mutes zum Gewöhnlichen, der letzte Triumph des Gemütes über die seelenlose Technisierung.

Ob hoch, ob nieder, ob Zwerge stehend, kniend oder liegend, ob Laterne haltend, skatspielend oder Schubkarre schiebend – sie alle beseelt der gleiche Ausdruck empfindsamen Gemütes; es gibt nur eine einzige Antwort auf die nächtlichen Beutezüge: In den Staub mit allen Feinden der Gartenzwerge! Zwergwerke aller Bundesländer, verdoppelt die Produktion!