Ruhe vor den Herbststürmen, die mit der Frankfurter Buchmesse über uns hereinbrechen werden. Wenig Neues daher im Seller-Teller, der die Verkaufserfolge eines regenreichen Ferienmonats anzeigt – aber das wenige doch recht erfreulich und erstaunlich „anspruchsvoll“: Burckhardts sympathischer, verläßlicher und dazu großartig geschriebener Rechenschaftsbericht über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges (besprochen in der ZEIT Nr. 27/1960); der dritte Band von Durrells großer Romantetralogie (besprochen in der ZEIT Nr. 14/1960), deren abschließende „Clea“ wir in den nächsten Wochen – sowohl im Buchhandel wie hier auf dem Seller-Teller – erwarten; Peter Bamms bilderreiche Reise in die christlichen Frühzeiten unserer Kultur; Friedells einst angefeindete, heute jedoch schon beinahe klassische Kulturgeschichte (besprochen in der ZEIT Nr. 35/1960); ja, und eben Martinis gedankenreiches, beobachtungsarmes Deutschlandbuch (besprochen in der ZEIT Nr. 35/60 – demnächst wird Kurt Ziesel als dritter im Bunde mit seiner „Verratenen Demokratie“ aufwarten); in der Nähe der von William S. Schlamm mit so bemerkenswertem Erfolg betretenen Pfade rüstig voranschreitend; von der gar nicht bestreitbaren, freilich auch nicht sehr originellen These, daß eine Diktatur die stärkere Regierungsfprm ist, den Schluß herleitend: die Freiheiten der Bundesbürger müßten erheblich eingeschränkt werden – gemeint sind natürlich, hier wie überall, die Freiheiten der anderen. Sicher wäre Martini empört, wenn irgend jemand seine Freiheit, ein nicht sehr verfassungstreues Buch zu schreiben, beschränken wollte... D. Z.