Von Werner Meyer

Der sagenhafte amerikanische Lebensstandardhat in der übrigen Welt schon oft Neid erregt. Die Amerikaner selber sind stolz auf den American way of life und möchten damit die ganze Welt beglücken.

In jeder internationalen Statistik über Kaufkraftvergleiche schneiden die USA am besten ab. Der gelernte Arbeiter verdient durchschnittlich pro Stunde Dollar 2,30, was (bei 40 Wochenstunden) einen Lohn von 92 Dollar pro Woche oder rund 400 Dollar pro Monat entspricht. Nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben bleiben einem Arbeiter mit Frau und zwei Kindern im Durchschnitt 350 Dollar pro Monat – zur offiziellen Parität umgerechnet ein monatlicher Nettolohn von 1470 DM. Die Familieneinkommen betragen aber oft das Doppelte oder Dreifache, je nachdem wieviel Familienmitglieder verdienen. Das durchschnittliche Familieneinkommen wurde 1958 mit 5100 Dollar pro Jahr (rund 21 400 DM) berechnet.

Man wird dagegen sofort einwenden, daß es nicht angängig sei, Dollarzahlen zum offiziellen Wechselkurs umzurechnen. Das Leben in den USA sei „viel teurer“ als in Europa und der Dollar höchstens 2 bis 3 DM wert. Der amerikanische Arbeiter verdiene also real nicht viel mehr als der deutsche. Dieser Einwand ist grundsätzlich richtig, denn die amerikanische Preisskala unterscheidet sich von der deutschen.

Aber das Essen im eigenen Heim ist in den USA nicht teurer als in Deutschland. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die durchschnittliche amerikanische Hausfrau bei ihren Einkäufen recht großzügig ist und sich im Supermarket die gebratenen Tauben in den Mund fliegen läßt. In keinem anderen Land sind zudem die Abfalleimer so groß ... Auch Textilien sind im Preise günstig. Sehr gute Kleider sind zwar teuer; aber die adrett angezogene Amerikanerin gibt kaum mehr als 10 Dollar für ein Sommerfähnchen aus; ihr Gatte muß höchstens einen Vormittag dafür arbeiten.

Einige wenige Großstädte ausgenommen erscheinen auch die Mieten erträglich. Das amerikanische Arbeitsamt gibt die durchschnittliche Arbeitsdauer für die Monatsmiete einer durchs schnittlichen Wohnung mit 3,3 Werktagen an. Das entspricht monatlichen Wohnungsausgaben von 60 Dollar oder 250 Mark. Luxuriöse Wohnungen oder kleine Häuser kosten dagegen schon bald zwischen 100 und 150 Dollar im Monat. Arbeiter können sich das nur leisten, wenn Familienangehörige mitverdienen.

Kann jedoch die Hausfrau, die in vielen Fällen mitverdient, um den Lebensstandard der Familie weiter zu steigern, von ihren täglichen Mühen entlastet werden? Kann sie etwa eine Haushaltshilfe oder gar ein Dienstmädchen engagieren? Kann die Familie am Sonntag auswärts essen oder eine angenehme Ferienreise unternehmen?