Das Ende eines Landgestüts H. M., Traventhal Schiebung!“ gellte es durch die dämmerige Auk-

tionshalle. Und noch einmal „Schiebung!“ Es gab einen kurzen, aber heftigen Wortwechsel, doch dann ging die Auktion weiter, wie sie begonnen hatte: 51 edle Zuchthengste kamen im Rekordtempo unter den Hammer. In einer Stunde war alles vorbei. Dies war das unwürdige Ende des schleswig-holsteinischen Landgestüts Traventhal.

„Begräbnis dritter Klasse“, nannte es einer der vielen Züchter, die nach Traventhal gekommen waren, aus Interesse an der Versteigerung und um Abschied zu nehmen von dem Gestüt, das seit 1874 im Pferdeland Schleswig-Holstein eine große Rolle gespielt hat. Etwa 2000 Neugierige mögen es gewesen sein. Ihre Autos überfüllten Straßen und Wiesen des kleinen Fleckens bei Bad Segeberg. Bieten konnte man nicht auf die Hengste, das war einigen wenigen vorbehalten. Die meisten wußten das und schickten sich drein, aber einige machten dann doch Krawall.

Das Landgestüt, in dem zuletzt noch 53 Deckhengste für die Pferdezucht im Lande standen, war ein teures Unternehmen, rund 600 000 DM jährlich kostete es. „Zu aufwendige Wirtschaft“, erzählt man sich in der Umgebung. Trotzdem wollte die Landesregierung das Gestüt halten, doch der Landtag sagte: Nein. Im Hintergrund standen die Zuchtverbände.

Das Angebot der Verbände, die Hengste zu kaufen, wurde jedoch von der Landesregierung „aus haushaltsrechtlichen Gründen“ abgelehnt, und so kam es zur Versteigerung. Um die Zucht zu erhalten, wurde allerdings der Kreis der Bieter beschränkt, so daß nur einige Züchter und die schleswig-holsteinischen Zuchtverbände in Frage kamen. Und um die Hengste in seine Hand zu bekommen, beschloß beispielsweise der Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes e. V., daß nur der Geschäftsführer, nicht jedoch die Mitglieder bieten dürften. Wer bei der Versteigerung trotzdem die Hand gehoben hätte, müßte mit Ausschluß rechnen. So gingen die Hengste in den Besitz der Zuchtverbände über, fast alle zu den Mindestpreisen von 1200 und 2000 Mark – zu Preisen also, die nur geringfügig über dem Schlachtpreis liegen.