Neu

Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (Bundesrepublik). Ein Epigone des Mabuse-Horrors, mit dem Fritz Lang schon in der Stummfilmzeit empfindsame Gemüter aufs Kreuz legte. Lange neuer Dr. Mabuse ist der Versuch, das moralische Chaos eines intelligenten Pervertierten in den Kulissen und Requisiten des Atomzeitalters und Wirtschaftswunders anzusiedeln: Die tausend Augen sind die unzähligen Linsen von Fernsehkameras, mit denen die Opfer im einstigen Gestapohotel Luxor belauscht werden, dazu ein System technischer Finessen – vom Stahlnadelluftgewehr bis zum Gangsterfunkwagen – und die scheinbar erloschenen Augen des Hellsehers. Zeitvertreib mit gepflegt makabrer Note, von dessen manchmal unglaubwürdig perfektionistischen Mitteln man sich durch leise Ironie distanziert. Beste Leistung: Gert Fröbe.

Liebesspiele (Frankreich). Ein Ehegegner und Mädchenfreund wird durch männliche Konkurrenz um seine Maxime gebracht. Das „Was“ ist belanglos, das „Wie“ sehr reizvoll gestaltet. Erstes Lustspiel der „Neuen Welle“. Regie: Philippe de Brocas.

Asche und Diamant (Polen). Auf einer Schutthalde verendet Maciek, zusammengekrochen, strampelnd: die Rückkehr zum embryonalen Tod. Zur gleichen Zeit tanzen dem Krieg entkommene Altpolen eine Polonaise: verschüttete Tradition in einer unbarmherzig falsch gespielten Musik. Zwei der stärksten Szenen des ungewöhnlichen Films von Wajda.

Fast neu

Scheidungsgrund: Liebe (Bundesrepubl.). Mißglück tes Durcheinander von zwei Frauen und einem Mann. Ein „luschtiger Film“ (Vgl. auch „Verpaßte Gelegenheit“, ZEIT Nr. 38).

Wer den Wind sät (USA). Darwin contra Bibel. Der fortschrittsgläubige Regisseur Stanley Kramer karikierte die christliche Provinz leicht zugunsten der „Aufklärung“. Zum Schluß ein inkonsequenter Publikumskompromiß zwischen Gott und den Amerikanern.