DIE ZEIT

Wider den Katholiken Kennedy

Nur zweimal in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist ein Katholik als Kandidat für das höchste Amt der Nation aufgestellt worden.

Ohne Literatur leben

Müssen Bücher eigentlich sein? Wir, die wir Bücher wichtig finden, sind wenig geneigt, eine solche Frage ernsthaft zu erörtern.

Was erwarten Sie von der Buchsaison 1960?

Diese Frage beantworten dreizehn führende Buchkritiker: Günter Blöcker, Willy Haas, Hans Hennecke, Walter Jens, Joachim Kaiser, Hans Mayer, Siegfried Melchinger, Marcel Reich-Ranicki, Friedrich Sieburg, Wolf Jobst Siedler, Karl Silex, Ernst Stein und Gody Suter.

UN 1960

Noch keine UN-Vollversammlung hat unter so undeutbaren Vorzeichen begonnen wie die des Jahres 1960. Da sind 16 Regierungschefs gekommen – viele von ihnen nur, um Propagandareden zu halten – und 40 Außenminister.

„Ideologe“ Erhard

In der Sowjetunion ist es eine große Ehre, als Ideologe eingestuft zu werden. Diese Ehre ist nun Ludwig Erhard zuteil geworden.

Nikita mußte durch den Hintereingang

Die Wolken hingen tief über den Wolkenkratzern Manhattans. Sachte bugsierten zwei Schlepper den sowjetischen Passagierfrachter „Baltika“ mit seiner Ladung kommunistischer Prominenz am Montag früh den East River herauf.

Castro wollte im Central Park schlafen

Kubas Diktator Fidel Castro wirbt mit eigenen und eigenartigen Methoden, um die Gunst der Farbigen: Wenige Stunden vor Beginn der Vollversammlung zog er laut schimpfend und protestierend vom Hotel Shelburne in der Lexington Avenue in das größte Farbigenhotel der Vereinigten Staaten um, in das Hotel Theresa im Negerviertel Harlem.

Der BHE sucht eine Rettungsleine

Eintracht herrschte unter den Delegierten, die hellen Fanfarenstöße, die man sonst von Mitgliedern der Partei gewohnt war, klangen diesmal gedämpft, Meinungsverschiedenheiten waren schon vorher hinter verschlossenen Türen im Parteikabinett geregelt worden.

Zeitspiegel

Britische Firmen prüfen gegenwärtig die Möglichkeiten eines phantastischen Projektes: der Ärmelkanal soll an seiner engsten Stelle (zwischen South Toreland bei Dover und Sangatte bei Calais) überbrückt werden! Geplant ist eine Brücke aus Stahlbeton: 35,5 Kilometer lang und auf 142 verankerten Pfeilern ruhend.

Hessen: Eine leise Demonstration

Als „Geschmacklosigkeit“ und „Verrat an der Sache Berlins“ hatte es der Landesvorsitzende der Hessischen CDU, Dr. Wilhelm Fay, bezeichnet, daß der Frankfurter Magistrat trotz der Reisebeschränkungen westdeutscher Bürger in der Zone ein „Funktionärskorps der Pankower“ eingeladen habe.

Landser-Literatur

Der Groschenheft-Produzent Fabel hat die erste Runde in seinem Prozeß gegen den Journalisten Luzian Neitzel verloren. Die Fünfte Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe lehnte den Antrag des Rastatter Verlages ab, Neitzel durch eine einstweilige Anordnung zu verbieten, das Manuskript „Der Krieg im Groschenheft“ weiterzuverwenden.

Universität als Warenhaus?

Die „Studentenrebellion von Freiburg“ hatte ein parlamentarisches Nachspiel. Am 5. Juli hatten 800 Studenten der Albert-Ludwigs-Universität gegen die fortwährenden Eingriffe in die Freiheit der Studentenpresse und gegen ein vom Senat verhängtes Vertriebsverbot aller auswärtigen Studentenzeitungen protestiert.

Die Saison Heideggers

Was man erwartet, ist nicht gleichbedeutend mit dem, was man hofft. Die kommenden Monate werden für den Liebhaber der Literatur mit Überraschungen, Enttäuschungen und Genugtuungen erfüllt sein.

Wer macht die deutsche Literatur?

Es war ein tollkühnes Beginnen. Wir haben’s immerhin durchgehalten und zu einem Ende gebracht – ob mehr schlecht als recht, mag der geneigte Leser entscheiden.

Karl Silex:: Falsche Angst vor der Kritik

Ich halte es für ausgemacht, daß unter den Neuerscheinungen dieses Herbstes eine Reihe bemerkenswerter Bücher sind. Einige unserer interessantesten Autoren legen neue Romane und Lyrikbände vor, aus Frankreich kommt die geschlossene Phalanx des nouveau roman, mehrere Verlage haben frühe Sowjetrussen ausgegraben, und irgendwo hat auch wieder einer jener Backfische mit der großen Unruhe im Blut und der großen Leere im Kopf ein Buch geschrieben, das die schlimme Traurigkeit und die schlimme Lüsternheit auf so elegante Weise kommun macht.

Dichtung hochvornehm im Frack

nach dem anderen Jahr für Jahr auf ein Podium klettern, um aus der Hand von Bundesministerii und Oberbürgermeistern nicht schlecht dotierte Belobigungen für aufrührerisches Benehmen entgegenzunehmen.

Hans Hennecke:: Expressionistische Renaissance

In der (wiederum, ja wohl mehr als je) kaum zu überblickenden Herbstproduktion dieses Jahres zeichnet sich ein Vorgang ab, der – ob nun als Symptom oder auch als Tendenz – nachgerade grundsätzliche Beachtung verdient: die erstaunliche Häufung von Sammel- oder gar Gesamtausgaben deutscher Autoren unseres Jahrhunderts.

Gody Suter:: Literatur auf Cocktail-Parties

Vorsichtshalber nichts; oder jedenfalls nichts Gutes. Stöße von Büchern, Türme von Büchern, Berge von Büchern. Großsprecherische, kluge, demütige, sachliche, unverschämte, stupide oder unfreiwillig komische Waschzettel.

Siegfried Melchinger:: Der ungestillte Hunger

Was sich der kritische Beobachter des modernen Theaters am innigsten wünscht, kann er von der Herbstproduktion der Verlage nicht erhoffen: die Entdeckung eines jungen, zu Hoffnungen berechtigenden deutschen Dramatikers.

Hans Mayer:: Richtige und falsche Bücher

Prognosen für eine Literaturentwicklung, die allenthalben der Philosophie des „Als ob“ zu huldigen scheint? Als ob es heute noch den Verleger, Buchhändler, Kritiker und Leser von einst gäbe.

Ernst E. Stein: Warten – nicht auf Godot

Von der deutschen Buchproduktion dieses Jahres erwarte ich die ausländische Buchproduktion des vorigen Jahres. Sie ist uns sicher; sie wird uns nicht geschenkt – sondern zu gutbürgerlichen Preisen angeboten werden.

Günter Blöcker:: Wellen der Konjunktur

Die Umfrage der ZEIT setzt mich in eine gewisse, fast möchte ich sagen: abergläubische Verlegenheit. Man tut gut, wenig zu erwarten, aber bereit zu sein für jeden Glücksfall.

Joachim Kaiser:: Fluch der Vollständigkeit

Erstlinge haben es leicht; man schaut nur auf die Vorzüge und achtet der Fehler nicht. Sie dürfen autobiographisch wirken oder mit einem Selbstmord enden, der bittere Vorwürfe gegen die Welt einschließt, können überquellend, ungezügelt und maßlos sein.

Prügelknecht und Prügelknabe

Manche sind der Meinung, bei Bücherrezensenten müsse es sich um eine bestimmte Affenart handeln: nicht um die verständigste, also etwa um Schimpansen, auch nicht um die kräftigen Oran-Utangs, sondern um jene, die sich durch ihr unentwegtes Krakeelen und ihre (wahrscheinlich an so manchen Schreibtischen ersessenen) knallroten Gesäßschwielen auszeichnet.

Liebe stark gefragt

Unser monatlicher Verkaufserfolg-Zähler, auch „Seller-Teller“ genannt, ist zur Institution geworden. Mit einer Exaktheit, die denn doch viele -Erwartungen (nicht zuletzt unsere eigenen) übertraf, ermitteln wir Monat für Monat die Bücher, die in den Großstadt-Buchhandlungen am häufigsten verlangt werden.

Kein Autor für die Flüchtigen

Als vor einem Jahrzehnt die Deutsche Akademie zu Mainz eine Serie von Bändchen unter dem Titel „Verschollene und Vergessene“ herausgab, schrieb ihr Präsident, Alfred Döblin: „Wir graben hier keine Toten aus, sondern bewahren Lebendige vor der Einmauerung“.

Weltgeschichte der Großstädte

Die Welt der Wissenschaft ist längst nicht mehr die Welt, in der man sich langweilt, im Gegenteil: sie hält vielleicht mehr Überraschungen für uns bereit als alle schönen Künste zusammen.

Der richtige Augenblick

Er sah so schlecht aus, daß es einen Hund erbarmen konnte, und so verdrossen, als habe ihn der ganze Lebensekel gepackt – der Schriftsteller Gelzer, der kurz nach dem Kriege durch einen schmalen Gedichtband „Trümmer“ und einen Roman „Totenwache“ große Erwartungen auf weitere literarische Taten erweckt hatte und den ich jetzt nach vielen Jahren auf der Straße wiedertraf.

Mein Gedicht: Herbstbild

Von Kind auf liebte ich den Herbst von allen Jahreszeiten am meisten, und als ich älter wurde, galt meine Vorliebe immer wieder den Herbstgedichten.

Die Industrie will Währungspolitik treiben

Die Überbeschäftigung und drohende antizyklische Maßnahmen (wie die Suspendierung der Umsatzausgleichsteuer auf Importe) der Bundesregierung haben der Industrie zu der Einsicht verholfen, daß etwas gegen die Überhitzung getan werden müsse, wenn man der Regierung weiterhin ein Alibi für die Politik des Gewährenlassens liefern soll.

Sanktionen wären wirksam

Die Bundesregierung hat sich zum Boykott des Interzonenhandels als Antwort auf die jüngsten Versuche des Ostzonenregimes, die Bewegungsfreiheit in Westberlin einzuschränken, noch nicht entschließen können.

Zeitraffer

Die Teilzahlungsbanken in der Bundesrepublik haben im 1. Halbjahr 1960 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahreszeit den Umsatz um 22 vH auf 1 885,7 Mill.

Maßarbeit kostet Geld

Am Dienstag endete in Hannover die Werkzeugmaschinen-Ausstellung. Daß die 620 deutschen und 130 ausländischen Aussteller zufrieden sein würden, stand von Anfang an fest.

Aus Recht und Wirtschaft: Verlorene Baukostenzuschüsse

Eine 63jährige Oberpostsekretärin mit einem Bruttogehalt von jährlich 8600 DM hat für eine 25 qm große Einzimmerwohnung mit Kleinküche und Bad neben der Monatsmiete von 75 DM immerhin 3500 DM verlorenen Baukostenzuschuß gezahlt.

Zu Lasten des Gewinns

Das Jahr 1959 war für die deutsche Versicherungswirtschaft durch einen erheblich verschlechterten Schadensverlauf gekennzeichnet, der die technischen Ergebnisse fast überall beeinflußte.

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