Die Saba Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt August Schwer & Söhne GmbH in Villingen/Schwarzwald gehört zu den 20 größten Rundfunk- und Fernsehherstellern, die den harten Wettbewerb der letzten Jahre nicht nur überlebt, sondern sich darüber hinaus auch eine Ausgangsbasis für die „Eroberung“ der EWG-Märkte geschaffen haben, von denen die deutsche Rundfunk- und Fernsehindustrie zum Teil zur Zeit noch durch Kontingentsvorschriften und Schutzzölle ferngehalten wird. In der Bundesrepublik beträgt der Marktanteil von Saba im Rundfunkgeschäft 10 vH und beim Fernsehen 8 vH. Die Gesellschaft, die in diesem Jahr ihr 125jähriges Jubiläum feiern konnte, ist bestrebt, den Fernsehmarktanteil zu vergrößern. Voraussetzung ist allerdings, daß es gelingt, den Arbeitskräftemangel zu überwinden. Im Villinger Stammwerk sind rund 3200 Personen beschäftigt, in dem vor einigen Jahren gegründeten Zweigwerk Friedrichshafen/Bodensee rund 600 Personen. Dazu kommen noch die Arbeitskräfte der Tochtergesellschaften (Elektroisolierwerke Schwarzwalds AG, Villingen, mit 120 und Scherb & Schwer KG, Berlin, mit 500). Insgesamt werden also rund 4400 Arbeitskräfte beschäftigt. Eine gewisse Reserve besteht noch in Friedrichshafen, wohin die Tonbandgeräte-Produktion verlagert werden soll.

Von der Kapitalseite her dürfte die Werkerweiterung kaum Schwierigkeiten machen. Ohne Tochtergesellschaften betrug der Umsatz im Jahre 1959/60 rund 121 Mill. DM (im laufenden Geschäftsjahr sollen es 130 Mill. werden). Vier bis fünf Prozent des Umsatzes können nach Angaben der Geschäftsleitung als Gewinn gerechnet werden. Das reicht in Verbindung mit den Abschreibungen zur Investitionsfinanzierung aus, für die jährlich etwa 3,5 bis 4 Mill. DM gebraucht werden. Saba, eine unabhängige Familiengesellschaft, betreibt also eine reine Selbstfinanzierung, offenbar unter ziemlich weitgehendem Verzicht auf Gewinnausschüttungen. Daraus ist auch der Umstand zu erklären, daß jetzt das Saba-Stammkapital aus Gesellschaftsmitteln von 2 auf 10 Mill. DM erhöht werden soll. Langfristige Fremdmittel brauchte Saba bislang nicht aufzunehmen. Man hat sich mit einem langsamen (aber dafür ungewöhnlich gesunden) Wachstum begnügt und die absolute Unabhängigkeit jederzeit gewahrt. Natürlich hätte sich in den letzten Jahren die Möglichkeit geboten, Verbindungen mit diesem oder jenem aus- und inländischen Unternehmen aufzunehmen. Namentlich die Amerikaner sind sehr bemüht, Kapitalbeteiligungen in der deutschen Rundfunk- und Fernsehindustrie zu landen. Saba hat jedoch lediglich mit einer führenden amerikanischen Gesellschaft einen Beratungs- und Forschungsvertrag abgeschlossen. Demnächst wird sich Saba in Indien engagieren. Ob auch mit Kapital, ist noch nicht abzusehen. Eine andere Frage ist natürlich, ob nicht der Arbeitskräftemangel eines Tages doch dazu zwingen wird, Kapazitäten und Personal von Firmen zu „kaufen“, die durch den immer härter werdenden Wettbewerb zur Anlehnung an größere Unternehmen gezwungen werden. Denn innerhalb der Rundfunk- und Fernsehbranche ist der „Ausleseprozeß“ noch nicht beendet...

Namentlich auf dem Fernseh- und wohl auch Tonband-Gebiet werden bei Saba noch erhebliche Investitionen notwendig sein. Von 15 Millionen Haushalten haben zur Zeit etwa 4,2 Millionen einen Fernsehempfänger, das sind etwa 26 vH. Die Sättigung des Marktes dürfte nach Schätzungen der Fachleute erst bei 80 vH liegen. Bei den Rundfunkgeräten kann man davon ausgehen, daß jeder deutsche Haushalt im Besitz eines Empfängers ist. Der Erneuerungsbedarf wird, auf 1,5 Millionen Geräte jährlich geschätzt, Dazu kommen die neuen Haushalte von rund 100 000. Daneben spielt jetzt immer mehr der Wunsch nach Zweitgeräten eine Rolle. K. W.