Der Pabel-Verlag holte sich eine Abfuhr

G.Z., Karlsruhe

Der Groschenheft-Produzent Fabel hat die erste Runde in seinem Prozeß gegen den Journalisten Luzian Neitzel verloren. Die Fünfte Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe lehnte den Antrag des Rastatter Verlages ab, Neitzel durch eine einstweilige Anordnung zu verbieten, das Manuskript „Der Krieg im Groschenheft“ weiterzuverwenden.

Die Urteilsverkündung – sie dauerte nur drei Minuten – ist für die Pabel-Leute, die eine starke Prozeßdelegation nach Karlsruhe schickten, eine kalte Dusche. Denn wenn die Richter der Zivilkammer keine Bedenken dagegen haben, daß Neitzel seine scharfe Kritik am Landserheft-Geschäft „weiterverwendet“, dann dürfte jegliches weiteres Vorgehen wegen „Geschäftschädigung und Verleumdung“ kaum Hoffnung auf Erfolg haben.

Die Anti-Pabel-Entscheidung ist bisher noch kein Grundsatzurteil in der Frage „Freiheit der kritischen Meinungsäußerung“. Aber es kann sein, daß die Kammer, wenn sie jetzt daran geht, die Begründung zu formulieren, noch Ausführungen dazu macht. Das wäre sehr wünschenswert, denn in diesem Prozeß wurden Probleme aufgeworfen, deren Bedeutung über das Verfahren Pabel contra Neitzel weit hinausgeht.

Übrigens: Trotz der Niederlage gab es einen Trostpreis für die Rastatter Heftchen-Hersteller. Autor Neitzel muß in seinem Manuskript ein Zitat streichen. „Zehn nehme ich allein, drei mit der Pistole, zwei trete ich in den Bauch...“ – diesen Satz hatte Neitzel in seiner Sendung als Kostprobe aus der Landser-Literatur gegeben. Doch wurde dieser Ausspruch nicht bei Pabel gedruckt, er ist vielmehr in „Sie fielen vom Himmel“ (Schneekluth-Verlag) nachzulesen. Die Richter meinten nun, der unbefangene Leser oder Hörer könnte auch diese „Auswahl“ dem Pabel-Verlag zurechnen, da Neitzel die „Fundstelle“ nicht vermerkt hatte.

Ordnung muß sein.