Billy Graham auf der Hamburger Stadtparkwiese

Ruth Herrmann, Hamburg

Wirfst du einen Frosch a) in kochendes Wasser, springt er heraus und ist gerettet. Wirfst du ihn aber b) in kaltes und erhitzt es ganz allmählich bis zum Kochen, stirbt er darin." Mit diesem herzhaften Beispiel illustrierte der amerikanische Evangelist Billy Graham eine List des Teufels: die allmähliche Gewöhnung an die Sünde. Der menschlichen Seele ergeht es, laut Graham, wie dem armen Frosch b) – sie stirbt.

Auf der Stadtparkwiese in Hamburg-Barmbek hat man ein Hallenzelt aufgebaut, in dem ungefähr 25 000 Menschen auf Holzbänken sitzen können. "Großstadt-Evangelisation Billy Graham" ist an der Fassade zu lesen. Drinnen – am Längsfirst oberhalb des Zwillingsrednerpults (für Graham und Dolmetscher) steht: "Jesus spricht: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben."

Um zwanzig Uhr soll Graham sprechen. Lange vorher schon stapfen von allen Seiten des Parks Interessierte und Neugierige über die städtische Wiese dem Zelt zu, um sich rechtzeitig einen guten Platz zu sichern. Der Eintritt ist frei.

Medizin für die kranke Welt

Auf den Bankreihen an den Eingängen stehen umgestülpte Plastikeimer. Sie sind modernisierte Klingelbeutel. Mit diesen Eimern und mit gepreßten Pappkästchen, wie die, in denen sommers Erdbeeren verkauft werden, gehen später, wenn zum Sammeln geblasen wird, die Mitarbeiter herum, obwohl es dabei ringsum klimpert – "Und wir erheben das Geld gleichzeitig für unsere Brüder und Schwestern in Berlin; ich möchte darüber nichts Näheres sagen" – zählt das, was nachher im Eimer ist, nicht gegenüber den Summen, die Grahams Groß-Inszenierungen kosten. "Die drei Stationen in Deutschland, in Essen, Hamburg und Berlin, kosten über eine halbe Million Mark. Warum geben wir solche Summen denn aus? Weil wir sicher sind, daß wir die einzige Medizin für die kranke Welt haben."