Es beginnt, wie "Der zerbrochene Krug" von berühmten Schauspielern begonnen wird: Jack Lemmon hält eine gute Weile Dialog mit seiner eigenen Schauspielkunst, er kocht Kaffee, sieht fern, spült Gläser, ißt eine Hühnerkeule. Aber wie! Lemmon gehört zur ersten Reihe amerikanischer Groteskkomiker, mit plattem Hinterkopf, Nußknackerkinn und naivem Kaugummigesicht. Seinen Kollegen Jerry Lewis und Bob Hope jedoch hat er in dem Streifen "Das Appartement" eines voraus: Billy Wilder, Regisseur des Films, gestattet ihm, seine Gags drei Intelligenzstufen höher an den/Mann zu bringen. Das ist neu. Und so präsentiert sich uns diesmal eine vergnügliche und intelligente Komödie, statt – wie gewohnt – Jerrys Babygebrüll oder Bobs Beinstolpereien.

Oft klingen die Stereotypen der Comedia dell’ Arte an. Man weiß, was kommt, und so sitzt man da und freut sich drauf. Man weiß auch, daß amerikanische Grotesk-Stereotype das Mannesalter offenbar noch nicht erreicht haben, denn sie geben sich so naiv und brav, daß man sich getrost sagt: Dieser Film ist kein unanständiger, und kein Kuppelei-Thema kann ihm den Hauch unverderbter Kindlichkeit nehmen.

Um Kuppelei geht es doch wohl: Ein Angestellter überläßt seinen Ressortchefs sein Appartement zu Privatüberstunden mit Sekretärinnen, verliebt sich aber selbst in eine von ihnen. Was bei uns manche Leute ins Gefängnis bringt, wird drüben mit moralischem Augenzwinkern belohnt, der Angestellte (Jack Lemmon) kriegt sein Mädchen (Shirley MacLaine). Zuvor ein manchmal leidgepflasterter Weg mit Selbstmordversuchen durch Schlaftabletten, Beinschüsse und Sektpropfen.

Shirley MacLaine ist wieder in mimischer Hochform. Ihr Stereotyp ist es, keiner zu sein.

Jürgen Zimmer