Neu

Die Fastnachtsbeichte (Bundesrepublik). Carl Zuckmayers Erzählung in Filmfassung. Es geht um die Aufklärung eines Mordes während des Mainzer Karnevals 1913. Regisseur William Dieterle gelangte in die Nähe des Films „Orfeu Negro“: Der Tod schwebt über ausgelassener Lebensfreude, überall spürt man mittelalterliche Gruftatmosphäre zwischen bunt gezeichneten Bürgerfiguren. Der Film erinnert an die „Jedermann“-Thematik oder an Bilder des Hieronymus Bosch. Schauspielerisches Bravourstück: Götz George als zu Unrecht Verdächtigter. Gute Film-Musik von Siegfried Franz.

Ein Herr ohne Kleingeld (Frankreich). Jean Gabin, diesmal als Seiltänzer zwischen großer Baron-Gestik und finanziellem Fiasko, erwirbt durch Glücksspiel eine Motorjacht, mit der er flußabwärts tuckert, nicht ohne ein hübsches Mädchen mitzunehmen. Aber das Benzin geht aus, und kein Scheck ist an Bord, nur Jean Gabin, die Frau (Micheline Presle) und der Hunger. Der Kampf ums Essen bringt viel Gelächter für die Zuschauer und gibt der Bootsbesatzung Gelegenheit zur Pointenjagd.

Bis daß das Geld euch scheidet (Bundesrepublik). Die Voraussetzungen dieses Problemstücks sind nicht gerade typisch: Ein Mann von flegelhaftem Benehmen, den das Wirtschaftswunder in die Position eines millionenschweren Industriekapitäns gespült hat, will sich von seiner Frau scheiden lassen, weil sie seinen Ansprüchen nicht mehr genügt; andererseits reichen seine Ansprüche nicht weiter, als eine Edeldirne aus womöglich noch einfacheren Verhältnissen zu heiraten. Die Besetzung steigert die Unglaubwürdigkeit: Gert Fröbe als Parvenü weckt Rührung und Mitleid; Luise Ullrich muß sich viel zu tolpatschig aufführen, und Christiane Nielsen als Konkubine ist arg überzeichnet. Papierene Sozialkritik mit Kintopprequisiten: High Society, Liebe in Badetrikots, Rückblendung auf Heimkehrer und Trümmerfrau, und auch eine Vase, die durch die Glastür fliegt.

Fast neu

Der brave Soldat Schwejk (Bundesrepublik). Ohne Zeigefingerpazifismus, keine Militärklamotte und kein Rührstück. Axel von Ambesser führt mit fast durchgehaltenem Stilkonzept Regie. Manchmal ein bißchen Durcheinander zwischen epischem und dramatischem Theater. Heinz Rühmann spielt überragend gut.

Jovanka und die anderen (USA). Fünf Partisaninnen im Kampf mit den Deutschen und ihrer eigenen unterdrückten Weiblichkeit. Ein gut gemachter Film mit einfallsreicher Regie. Wenn aber Regisseur Ritt seinen fünf Schauspielerinnen in einer Abendszene befiehlt, sich schlafen zu legen und – plumps – alle auf Kommando hinfallen und einschlafen, kann man nur müde lächeln.