Von Hoimar v. Ditfurth

Schon der Einband trägt die rote Farbe des Alarms, der Titel sucht zu provozieren, und der Inhalt ist ganz gewiß geeignet, aus sanfter Seelenruhe aufzuscheuchen. Schade, daß das mit großer Sorgfalt geladene Geschoß dann schließlich doch auf das falsche Ziel abgefeuert wird –

Heinz Loduchowski: "Teenager und Koedukation? Jugend der freien Welt in Gefahr", Reihe "Das pädagogische Gespräch", aktuelle Veröffentlichungen des Willmann – Instituts, Freiburg/Wien; Herder Verlag, Freiburg; 120 S., 6,80 DM.

Ein junger katholischer Theologe wurde mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und einer amerikanischen Studienkommission in die USA entsandt; er besuchte Schulen, Jugendbehörden und Seelsorger auf der Suche nach Material, das die auch in den USA ständig zunehmende Verwahrlosung der Heranwachsenden erklären könnte.

Der Grund dafür, daß dem Autor neben den vielen anderen Mühen seiner umfangreichen Recherchen auch noch die einer Reise über den Ozean aufgebürdet wurde, ist nun nicht allein in der Tatsache zu suchen, daß die amerikanischen Teenager es noch etwas ärger zu treiben scheinen als die europäischen.’ Vielmehr war es offenbar so, daß der Autor und seine Auftraggeber das Ergebnis der Unternehmung schon kannten, ehe die Reise noch begonnen hatte: "Die Ursache der zunehmenden Jugendkriminalität ist die Koedukation", die gemeinschaftliche Unterrichtung von Jungen und Mädchen in "gemischten" Klassen; so daß die Reise also nicht eigentlich der Forschung, sondern der Bestätigung bereits bestehender Überzeugungen dienen sollte. Denn in welchem Lande sonst hätte der Autor diese Bestätigung eher finden können als in den USA, wo die Koedukation seit der Jahrhundertwende an den staatlichen Schulen verbindlich eingeführt ist?

Das Material selbst ist aufschlußreich, gelegentlich haarsträubend: Rund 40 vH der amerikanischen Jungen von 15 (fünfzehn) Jahren haben bereits sexuellen Verkehr gehabt; die Zahl der unehelichen Mütter unter 19 Jahren hat sich seit 1939 fast verdoppelt (von 40 000 auf 76 000), wobei in Rechnung zu stellen ist, daß – vorsichtig geschätzt – 90 vH aller unehelichen Schwangerschaften abgetrieben werden; Scheidungen und Trennungen führen – neben Verwitwung – dazu, daß mehr als ein Viertel aller amerikanischen Kinder nicht bei beiden Eltern aufwachsen kann; das Durchschnittsalter der Kriminellen insgesamt ist das 21. Lebensjahr; Jugendliche unter 20 Jahren sind die Urheber eines Viertels aller gerichtlich bekannt werdenden Sittlichkeitsdelikte!

Die "Sex-Revolution", die sich in diesen Zahlen ausdrückt, hat noch eine nur scheinbar paradoxe Kehrseite: eine stetige Zunahme der Sexualneurosen mit sich häufenden Klagen über Impotenz und Frigidität.