ge, Cottbus

Den Genossen Nolte, Sekretär für Propaganda, Kultur und Erziehung bei der SED-Kreisleitung Cottbus, hat der Bannstrahl seiner Partei getroffen. Eine "parteierzieherische Maßnahme" wartet auf ihn. Seinen Posten im Cottbuser SED-Büro wird er wohl für einige Zeit mit einem volkseigenen Betrieb vertauschen müssen, um sich durch "produktive Arbeit" zu rehabilitieren.

Nolte wird es nicht leicht haben, das Vertrauen der Partei wiederzuerringen, denn sein Vergehen wiegt schwer: er verstieß gegen die Intelligenzpolitik der SED. Er verhielt sich "parteiwidrig", weil er nicht wußte, daß die Einbringung der Ernte und die Vorbereitung des neuen Schuljahrs "zwei Kampfaufgaben der Partei" waren, bei denen es galt, "das eine zu tun und das andere nicht zu lassen".

Weisungsgemäß hatte Nolte zwar die Cottbuser Pädagogen zu einer Parteiaktivtagung berufen, um die Schulrichtlinien der SED in propagieren. Doch warf ihn offenbar eine Ernte-Eilanweisung der SED aus der Bahn. "Neues Deutschland" berichtete darüber mit beträchtlicher Verspätung;

"Als die Parteiaktivtagung begonnen hatte, ergriff Genosse Nolte nicht, wie vorgesehen, das Wort zu einem Referat, sondern löste die Aktivtagung auf. Er kommandierte die anwesenden Pädagogen zum Ernteeinsatz und forderte sie auf, unverzüglich in die vor dem Versammlungsraum stehenden Fahrzeuge einzusteigen. Der berechtigte Hinweis eines Lehrers, daß keiner der Anwesenden auf einen Ernteeinsatz eingerichtet sei, wurde vom Genossen Nolte mit beleidigenden Worten zurückgewiesen. Nachdem die Pädagogen in den Dörfern ankamen, stellte sich heraus, daß ihr Einsatz dort überhaupt nicht vorbereitet war."

In einer schlicht (ND) gezeichneten und darum besonders autoritativen Lektion brach das Parteiblatt mit dem Karl-Marx-Orden in der Kopfleiste den Stab über den rauhbeinigen Kulturfunktionär.

"Genosse Nolte hat durch diese Fehler das Ansehen unserer Partei geschädigt, die Prinzipien unserer Politik zur Intelligenz verletzt und das Vertrauen der Cottbuser Lehrer zur Partei der Arbeiterklasse mißachtet."