Die Pariser Börse hat dem von der inner- und außenpolitischen Situation und von der Wall-Street-Schwäche ausgehenden Druck bisher nur einen schwachen Tribut gezahlt. Legt man den Börsenindex von Ende 1958 mit 100 als Vergleich zugrunde, so geht das Jahr 1959 mit 153,7 aus, während die am 30. September 1960 errechnete Indexziffer bei 159,9 steht. Der höchste Stand wurde im Verlauf dieses Jahres mit 170,6 errechnet. Am 23. September stand der Index bei 165,7. Es ergibt sich also, daß die in den Sommermonaten erreichte Hausse teilweise wieder abgebaut worden ist. Diese Durchschnittsziffern dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auf einzelnen Gebieten Höchstkurse erzielt wurden, die sich gut gehalten haben.

Die vergangene Woche hat wieder bewiesen, daß es nur eines geringen Anstoßes, kleiner Interventionskäufe bedarf, um das Gleichgewicht herzustellen und darüber hinaus auch ein erhöhtes Kursniveau fast mühelos zu verteidigen. In Obereinstimmung mit anderen europäischen Börsen sind in Paris die Umsätze auf ein Mindestmaß zurückgefallen. Das Privatpublikum hat nicht verkauft. Gelöst wurden spekulative Verpflichtungen der Tagesspekulation, besonders an den Terminmärkten. Die Höhe der Baisseengagements hat sich vergrößert. Vom Ausland ist nur in geringem Umfange, und auch dann nur, wenn noch Gewinne vorhanden waren; realisiert worden. Kapital ist reichlich vorhanden. Alle Makler und Banken berichten, daß sie Anfragen in großer Zahl erhalten, ob der Moment zum Einsteigen nicht bereits gekommen sei.

Die Auswahl der Börsen, an denen bisher verlockend erschien, größere Investitionen vorzunehmen, hat sich verringert. Das Vertrauen in Wall-Street hat einen schweren Schlag erhalten. Die Londoner Börse wird skeptisch, doch nicht ohne Hoffnung für die Zukunft beobachtet. Der Glaube an die europäischen Börsen ist nicht erschüttert.

Die in der vergangenen Woche eingetretene Kurserhebung für französische Werte muß zunächst als technische Reaktion erklärt werden. Die Umsätze sind nicht wesentlich gestiegen. Ein Umschlag der Tendenz nach der Hausseseite ist zunächst kaum zu erwarten. Größere Aufwärtsbe-Regungen in Spezialwerten sind jedoch nicht ausgeschlossen. Erst imLaufe des Jahres, wenn sich die: Kapitalsammelstellen mit Rücksicht auf den kommenden Bilanzstichtag – wie üblich – veranlaßt fühlen, ihre liquiden Mittel zu investieren, wird eine Erholung des gesamten Kursniveaus für wahrscheinlich gehalten werden können,

Retlaw